Waldbewirtschaftung bringt Artenvielfalt!

Auf Einladung des Vorarlberger Waldvereins referierte Botanik-Professor Ernst- Detlef Schulze aus Deutschland über das oft heiß diskutierte Thema Artenvielfalt contra Waldbewirtschaftung? Klare Aussage von Prof. Schulze ist, dass sich Bewirtschaftung grundsätzlich positiv auf die Artenvielfalt im Wald auswirkt.

In vielen wissenschaftlichen Arbeiten und Studien, in der Prof. Schulze selber mitgearbeitet bzw. auch geleitet hat, hat sich klar bestätigt, dass sich Bewirtschaftung positiv auf die Artenvielfalt im Wald auswirkt. Dies trifft unter anderem auf Pflanzen-, Pilz-, Wanzen-, verschiedene Insekten- oder auch Vogelarten zu. Die größte Artenvielfalt konnte immer bei einer mittleren Störungsintensität festgestellt werden. Nur bei wenigen Sonderstandorten wie zum Beispiel Moore gibt es Ausnahmen. Conclusio von Prof. Schulze ist: Die nachhaltige Forstwirtschaft erfüllt ihre Aufgabe sehr gut. In viele wissenschaftliche Untersuchungen konnte aufgezeigt werden, dass im nachhaltig bewirtschafteten Wald kein Biodiversitätsrückgang stattgefunden hat.
Bewirtschaftung ist nicht generell schlecht
Oft wird von Naturschutzseite nur die „Unterschutzstellung“ gesehen. Prof Schulze sieht es als eine große Fehleinschätzung an, die „Bewirtschaftung“ nicht als Biodiversitätsmaßnahme einzusetzen. Leider wird auch auf EU-Ebene nur von „Schutz“ gesprochen. Wir müssen von dem populistischen Mainstream „Wildniss ist gut“ und „Bewirtschaftung ist schlecht“ wegkommen. Es braucht einen Paradigmenwechsel, den Eigentümern bzw. den Bewirtschaftern muss die Angst vor Auflagen und Restrektionen genommen werden, wenn eine seltene Art bei ihnen vorkommt. Sie müssen gut informiert werden und die Erhaltung ihres Schutzgut muss honoriert bzw. abgegolten werden. Damit kann ein neuer Weg für ein neues Miteinander für die Erhaltung der Artenvielfalt gegangen werden. In diese neue Richtung möchte der Vorarlberger Waldverein im Austausch mit den Naturschutz-Vertretern arbeiten. Die bereits vorhandenen positiven Ansätze in Vorarlberg müssen gestärkt und ausgebaut werden.
Wald nützen heißt Arten schützen
Obmann Mag. Walter Amann fühlt sich von den Aussagen von Prof. Schulze völlig bestätigt. Für ihn heißt „Wald nutzen, dass Arten geschützt werden“. Mit einer Bewirtschaftung wird die Strukturvielfalt erhöht, was sich positiv auf die Artenvielfalt (=Biodiversität) auswirkt. Die naturnahe Ausrichtung, für die sich der Vorarlberger Waldverein seit Jahrzehnten einsetzt, stärkt die lebensraumangepasste Artenvielfalt weiter.
Angepasste Schalenwildbestände als Schlüsselfaktoren
Als Schlüsselfaktor für die Artenvielfalt muss auch hier die Wichtigkeit von angepassten Schalenwildbeständen betont werden. Nur so können sich Waldstrukturen mit Mischbaumarten erhalten und entwickeln, die eine vielfältige standortsangepasste Artenvielfalt ermöglicht. Auch Prof. Schulze sieht hier klar die Notwendigkeit, dass der unnatürliche aus jagdlichen Interessen massiv überhöhte Wildeinfluss reduziert und angepasst werden muss.

Prof. Enst-Detlef Schulze zusammen mit Bezirksforstechniker Peter Feuersinger und Waldvereinsobmann Walter Amann im naturnah bewirtschafteten Wald oberhalb von Dornbirn (Foto Lk Ölz Vbg).

Zur Person: Ernst-Detlef Schulze, Jahrgang 1941, studierte Forstwirtschaft in Göttingen, anschließend Biologie in USA. Er promovierte in Würzburg über den Stoffhaushalt der Buche. 1975 erhielt er die Berufung als Professor für Pflanzenökologie an die Universität Bayreuth und 1997 als Direktor des Max-Planck-Institutes für Biogeochemie. Seit 2008 ist der Emeritus an diesem Institut. Seit 2004 bewirtschaftet Prof Schulze einen eigenen Laub- und Nadelwald. Er leitet zudem einen Eigenjagdbezirk.

Bild oben: Bewirtschaftung ist gut für die Artenvielfalt. Deshalb brauch wir nicht nur den „Schutzstatus“, sondern auch die Bewirtschaftung als Maßnahme zur Erhaltung und Verbesserung der Artenvielfalt!

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