CO2 Kompensation für 70.000 Vorarlberger:innen

Die Substitutionswirkung der nachhaltigen Holznutzung könnte den derzeitigen pro Kopf Verbrauch von 8 Tonnen CO2 pro Jahr von bis zu 70.000 Vorarlbergerer:innen ausgleichen.
Im Holz wird wie in einem zweiten Wald CO2 gespeichert. Ein noch höherer CO2 Minderungseffekt entsteht durch den Ersatz energie- und CO2-intensiver Baustoffe und Energieträger (Substitutionswirkung). Darauf wies Präsident Josef Moosbrugger von der Landwirtschaftskammer Vorarlberg anlässlich der Woche des Waldes in Dornbirn bei einer Verladung von Rundholz hin.

Die Holznutzung stellt mit diesem Effekt eine sehr bedeutende Klimaschutzmaßnahme dar. Präsident Josef Moosbrugger stellt sich damit klar gegen alle Vorgaben, die eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holznutzung beschränken oder verhindern sollen. Im Gegenteil wir müssen die nachhaltigen Potentiale nutzen.
Die Substitutionsleistung von derzeitigen Holznutzung aus dem Vorarlberger Wald beträgt 395.850 Tonnen CO2 pro Jahr (Substitutionsfaktor stofflich und energetisch: 1,131 t CO2 je m3). Mit dem nicht genutzten Zuwachs kommen noch einmal 110.000 bis 160.000 Tonnen CO2 dazu. Damit können dann bei einem pro Kopf Ausstoß von 8t CO2/a die Menge von bis zu 70.000 Vorarlberger:innen ausgeglichen werden. Diese Werte zeigen eindrücklich die hohe Wirkung, wenn wir klimaschädliche Baustoffe und Energieträger durch Holz ersetzen.

Angebot an Betriebe, Unternehmen und andere Organisationen

Für das CO2-Speichermanagement im Wald gibt es bereits zertifizierte Kompensationszertifikate. Durch den Projektfonds „C-Bindung Wald und Holz“ beim Klimacent 2.0, der von der Arge Erneuerbaren Energie Vorarlberg initiiert wurde, werden jetzt auch in dem Bereich CO2 Minderung durch Substitution Kompensationszertifikate angeboten und abgewickelt. Betriebe, Unternehmen und andere Organisationen sind eingeladen ihre unvermeidbaren CO2-Emissionen damit auszugleichen.
Der Waldbesitzer soll angeregt werden, die Speicherwirkung zu optimieren und gleichzeitig angeregt werden, Holz im Rahmen einer nachhaltigen und auch naturnahen Waldbewirtschaftung auf den Markt zu bringen. Eine zu einseitige Fokussierung auf die Speicherwirkung könnte negative Auswirkungen auf die anderen Waldwirkungen, wie die Schutzwirkung haben (in Vorarlberg von existenzieller Bedeutung). Von einer aktiven nachhaltigen Holzproduktion ist nicht zu Letzt die gesamte Holzwertschöpfungskette abhängig. Mit der „Ukrainekrise“ wird dieser Aspekt der Versorgungssicherheit stark in den Mittelpunkt gerückt. In einem Pilotwaldbetrieb werden jetzt die erforderlichen Nachweise für die CO2-Kompensationszertifikate festgelegt.

Infos und Facts:

  • Im Vorarlberger Wald werden von den jährlich über 450.000 nachwachsenden Erntefestmeter nur etwa 350.000 Festmeter genutzt. Ohne Vorräte abbauen zu müssen wäre eine Steigerung um ein Viertel möglich (ähnliches gilt für ganz Mitteleuropa).
  • Bei einem Wert von 50.-/t CO2 Speicherung bzw. Einsparung ergeben sich auch beachtliche mögliche Einkommenswerte von bis zu 30 Millionen Euro. Zum Vergleich für einen Festmeter gutes Bauholz, der etwa eine Tonne CO2 beinhaltet werden derzeit zwischen 120.- und 130.- Euro pro Festmeter ab Forststraße (ohne Ust.) bezahlt.
  • Die nachhaltige Waldbewirtschaftung ist die Voraussetzung für den positiven Substitutionseffekt (in Europa seit 300 Jahren, aber nicht überall auf dieser Welt gibt es eine nachhaltige Waldbewirtschaftung).
  • Etwa 40% der klimaschädlichen Gase gehen auf den Bausektor (inkl. Betrieb) zurück. Mit Holz bieten sich sowohl im Baustoff-, als Energie- oder Bioökonomiesektot stark ausbaufähige sogar klimapositive Alternativen an.
  • Vergleich Urwald: In einem nicht bewirtschafteten Wald sind die Vorräte und damit die Speichervorräte nicht konstant hoch. Diese entwickeln sich in relativ langen zeitlichen Zyklen. Die Unterschiede sind nach wissenschaftlichen Studien zu Wirtschaftswäldern in Summe gar nicht groß und vergleichbar.
  • Mit der Bewirtschaftung der Wälder nimmt die Artenvielfalt (Biodiversität) im Vergleich zu ungenutzten Wäldern sogar zu (Bewirtschaftung nach gültigen Waldgesetzen in Mitteleuropa). Bei einer Kahlschlagwirtschaft oder Plantagenwirtschaft nimmt die Artenvielfalt dagegen signifikant ab.
  • Der nachhaltige laufende Zuwachs nimmt in älteren Waldbeständen ab. Damit sinkt der mögliche CO2-Effekt durch Wald und Holz in „überalten“ Beständen.
  • Außernutzungsstellungen z.B. in Naturwaldreservaten sind natürlich möglich (Stichwort „Vertragsnaturschutz“), nur eine generelle Verpflichtung zur Außernutzungsstellung ist mehrfach nicht nur für den Klimaschutz kontraproduktiv.
Transporteur Kurt Schedler und Edgar Häfele vom Vorarlberger Waldverband Verladung vor einer CO2 Speicherungs- und Substitutions-Holzfuhre in Dornbirn.

Juni 2022

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