Was kostet Nichtstun?

Wir möchten hier gerne das aktuelle Editorial der Österreichischen Forstzeitung 06/2021 vom Vorarlberger Forstmann DI Sigbert Terzer, der sich im Redaktionsteam engagiert, abdrucken. Es werden sehr aktuelle Aspekte in der Forstwirtschaft beleuchtet und hinterfragt:

US-Präsident Joe Biden wird sinngemäß zitiert, es sei wissenschaftlich nicht zu ­leugnen, dass es viel mehr kostet, wenn die ­Gesellschaft gegen den Klimawandel jetzt nichts tut. Die Klimaziele der EU werden ohne verstärkte Holznutzung – auch bei ­optimaler kaskadischen Verwertung – nicht erreichbar sein.
Derzeit haben wir rückläufige Holzeinschlagsmeldungen – in Österreich im vergangenen Jahr –11% (oder etwa 2 Mio. fm). Das ist nur ein Drittel der zukünftig zu erwartenden reduzierten Holzmengen, wenn diskutierte Waldstilllegungsflächen Realität würden. Glaubt übrigens jemand, wenn man seinen Wald nicht mehr nutzt, kostet er auch nichts mehr? Klimafitter Wald-(um)bau? Forstschutz? Schutzwalderhaltung? Verkehrssicherungspflicht? Steuern und Sozialversicherungsbeiträge? Wege­erhaltung?
Die Märkte bei der Schnittholznachfrage gehen durch die Decke, selbst im Exportland Vorarlberg werden Zölle für Holzausfuhr (vorsichtig) in den Raum gestellt. Die Waldbesitzer stehen zur Versorgung der Wertschöpfungskette Holz und werden die regionalen Partner mit dem Rohstoff Holz versorgen. Wir werden aber nicht mehr länger zuschauen, dass man uns die Versorgungspflicht medial umhängt, für sägefähiges Starkholz 50 € angeboten bekommt und so tut, als würden wir Waldbesitzer mit steigenden Holzpreisen die heimische Wertschöpfungskette Holz gefährden.
Ich habe den Eindruck, dass man lieber einen enormen Imageschaden, Marktverluste und mühsam erreichte Holzbauoffensiven gefährdet, als den Waldeigentümern für ihr nachhaltiges Produkt Holz einen fairen Preis zu zahlen.
Und das in Zeiten, in denen heimische, innovative Holzbauunternehmen und Architekten in den Hauptstätten Europas Leuchtturmprojekte (Schulerweiterungen, mehrgeschossige Wohn- und Bürogebäude, …) umsetzten oder kurz davorstehen. Während die eigentlich unschlagbare Wertschöpfungskette Holz derzeit medial zu ­negativen Headlines kommt (Versorgungs-
sicherheit? – Holzvorrat in Österreich 1,2 Mrd. fm – pro Sekunde wächst ein Festmeter Holz in Österreich), titelt man derzeit über die Zementindustrie etwa: ­„Zement in Richtung 100% klimafitte Baustoffe…“! Das kostet allen richtig viel – Geld und Nerven, meint Ihr Siegbert Terzer.

Bild DI Siegbert Terzer bei einer Exkursion in Nenzing (Bild Lk Vbg Thomas Ölz).

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