Rotwildmanagement in der Praxis

Mit einer räumlichen Zonenplanung, mit einer abgestimmten Populationsdichte und -struktur, mit einer fachgerechten Fütterung und mit der Anwendung von effizienten Jagdmethoden wird in Nenzing ein professionelles Rotwildmanagement durchgeführt. Auf einem Weiterbildungsseminar des Ländlichen Fortbildungsinstituts Mitte September wurden den interessierten Teilnehmern die Eckpunkte vorgestellt.

Zielsetzungen vermitteln
DI Siegbert Terzer, Betriebsleiter der Agrargemeinschaft Nenzing, erläuterte die Wichtigkeit der Aufstellung von klaren Zielsetzungen des Grundeigentümers in Richtung der Jagdbewirtschaftung. Diese müssen dann klar im Jagdpachtvertrag dem Jagdpächter vermittelt werden. Dieser muss wissen, welche Ziele er erfüllen muss. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die räumliche Zonenplanung in der Wildbewirtschaftung. In den vorgelagerten Wäldern, die sehr steil in Richtung Walgau abfallen, stehen klar die Waldschutzfunktionen im Vordergrund. Hier wird kein Lebensraum für das Rotwild gesehen. Es werden auch alle anderen Schalenwildarten schwerpunktmäßig bejagt. Die dahinterliegenden Gebiete Richtung Gamperdonatal werden dagegen als Lebensräume für das Rotwild gesehen. Aber auch hier soll es keine Aufhege oder überhöhte Wilddichte geben. Allerdings lässt sich ein gewisser Wildschaden in Rotwildfütterungseinstandsgebieten nicht vermeiden.
Mit niedrigeren Wilddichten mehr Erntehirsche
Jagdschutzorgan Peter Trabernig erläuterte beim seit 1997 betrieben Rotwildwintergatter am Nenzinger Berg die Bewirtschaftungsziele in der Praxis. Bei angepassten nicht zu hohen Wilddichten gibt es beim Rotwildnachwuchs einen höheren Anteil an männlichem Wild. Mit dieser wildbiologischen Erkenntnis wurde und wird verstärkt beim weiblichen Wild eingegriffen. Konnte früher nur ein Erntehirsch im Jahr geschossen werden, sind es heute bei einem deutlich niedrigeren Wildbestand zwei Erntehirsche. Sehr transparent wird die Wildbestandserhebung mittels Futtermittelerfassung überprüft. An mehreren Kontrolltagen im Hochwinter wird der Futtermittelbedarf pro Tag genau erhoben und dann mittels durchschnittlichem Futtermittelverbrauch auf die Stückzahl umgerechnet (Grundlage Zahlen aus der Masterarbeit von Harald Bretis). Nachdem sich die männlichen Stücke sehr genau aus den Abwurfstangen ergeben, ergibt sich bei den weiblichen Stücken oft eine nicht vermutete hohe Dunkelziffer. Als sehr wichtig sieht Peter Trabernig auch die konsequente Außensteherbejagung an. Um eine günstige Populationsstruktur zu erreichen, sind auch „Entnahmen“ im Wintergatter, die sehr sensibel durchgeführt werden müssen, kein Tabuthema in Nenzing. In der Diskussion kam zum Ausdruck, dass die Arbeit des Kahlwildabschusses und das Streben nach Trophäenabschuss bei männlichem Wild unter den Revieren ein hohes Konfliktpotential haben. 
Effiziente Eingriffe bringen nur kurze Störungen
Jagdschutzorgan Manuel Nardin erläuterte an einer normalen Winterfütterung ohne Gatter in der Gamperdona die Bewirtschaftungsweise des Rotwildes. Sehr sensibel ist die Bejagung an beliebten Austretungsorten des Wildes. Hier ergeben sich nur wenige Möglichkeiten. Um die angestrebten Populationsstrukturen zu erreichen (nebenbei werden dadurch auch die Abschusspläne erfüllt), wurden auch gezielte und sehr effiziente Eingriffe in den Wintereinstandsgebieten durchgeführt. Damit gibt es zwar intensive aber nur ganz kurze Störungen und das Ziel von beobachtbarem und tagaktivem Wild kann mit dieser Maßnahme sehr gut verfolgt werden.

Bild: Interessantes LFI Seminar in Nenzing: Es wurden die Eckpunkte eines professionellen Rotwildmanagements vorgestellt.

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