Kein klimafitter Wald

Ende Mai hat der Vorstand des Vorarlberger Waldvereins, geführt vom Sprecher der Ortsgruppe Egg – Vorderer Bregenzerwald Tone Metzler, einen Waldbegang in den Abtsberger Waldungen bei Schetteregg im Bregenzerwald durchgeführt. Leider musste eine sehr schlechte Waldentwicklung aufgrund eines sehr hohen Wildeinflusses festgestellt werden, bei dem wichtige Mischbaumarten wie die Weißtanne oder Klima-Hoffnungsbaumarten wie die Douglasie keine Chance haben.

Die Abtsberger Waldungen liegen auch Bacheinhängen in einer Nord-Ostexposition, die zur Subersach immer steiler werden. Die Standorte sind vielfach feucht und haben eine geologische labile Ausgangsituation. Dementsprechend groß sind auch die Rutschgefährdungen. Auf der genüberliegenden Talseite liegt die bekannte Großrutschung in Sibratsgfäll. Als Waldgesellschaft ist ein klassische Fichten-Tannen-Buchenwaldgesellschaft ausgewiesen. Beigemischt sind dazu unter anderem Ahorne, Eschen und Erlen.
Extremer Wildeinfluss
Die Wildeinflusssituation ist als sehr schlecht zu beurteilen. Überhöhte Bestände von Rot-, Reh- und Gamswild führt zu massiven Problemen in der Waldentwicklung. Die für einen klimafitten Waldaufbau wichtige Baumart Weißtanne fällt auf der gesamten Fläche aus. Die Einzelschutzmaßnahmen zeigen bei den extremen Wildeinwirkungen zu wenig Schutz. Die Fichte und die Buche kommen in der Verjüngung gerade noch durch. Aber auch bei der Fichte gibt es Verbiss- und Fegeschäden und in späterer Folge auch Schälschäden. Die Buche zeigt ebenfalls einen extrem hohen Verbissdruck. Die Verjüngungszeit und die Qualität werden auch hier sehr negativ beeinflusst. Die Mischbaumarten Bergahorn oder Esche kommen auf der ganzen Fläche mehr oder weniger nicht durch. Ganz katastrophal sind die Versuche mit dem Klimahoffnungsbaum Douglasie verlaufen. Trotz angebrachtem massiven Fegeschutz ist ein Durchkommen unmöglich.
Der Sprecher der Ortsgruppe Egg – Vorderer Bregenzerwald Tone Metzler ist derzeit noch Obmann der Besitzergemeinschaft Abtsberger Waldungen. Nachdem die unbefriedigende Situation von den Mitbesitzern nicht bzw. zu wenig erkannt wird und Maßnahmen zur Verbesserungen nicht mitgetragen werden, legt er jetzt sein Amt nieder.

Leider ein negatives Beispiel. Hoher Wildverbissdruck führt zum Ausfall der wichtigen Mischbaumart Weißtanne.


Dringend Neuausrichtung!
Für eine Verbesserung braucht es dringend eine Neuausrichtung der Jagdbewirtschaftung. Die Bewirtschaftung aller drei Schalenwildarten auf einem so hohen Niveau mit der Fütterung von Rot- und auch Rehwild funktioniert einfach nicht. Als erstes muss die Jagdgenossenschaft, in der alle Wald- und Grundbesitzer organisiert sind, eine neue Zielausrichtung vorgeben. Die Jäger als Pächter müssen sich dazu klar bekennen oder es müssen neue Jäger, die diese Neuausrichtung mittragen, gesucht werden. Als Variante könnten auch Jagdkonzepte mit Selbstbewirtschaftung, die im benachbarten Hittisau sehr gut funktionieren, umgesetzt werden.
Jagdrechtliche Maßnahmen?
Die Behörde dürfte die derzeitige Situation eigentlich nicht dulden. Sowohl jagdrechtlich als auch forstrechtlich herrschen in den Abtsberger Waldungen auf großen Flächen waldgefährdende bzw. waldverwüstende Wildschäden vor. Mit den rechtlich möglichen Maßnahmen muss sowohl der Druck auf die Jagdgenossenschaft als auch auf die ausübenden Jäger erhöht werden, um eine Neuausrichtung zu erreichen. Neben den wirtschaftlichen Schäden, die der Grundbesitzer derzeit zu tolerieren scheinen, geht es um die Waldwirkungen und hier insbesondere die Schutzwaldwirkungen gegen Erosionen bzw Hochwasserschutz. Schlussendlich geht es aber vor allem darum eine klimafitte Waldentwicklung für unsere Enkel zu gewährleisten.

Die Douglasie hat trotz massiven Wildschutz keine Chance zum Durchkommen.

Bild ganz oben: Weißtannenkeimlinge kommen auf der ganzen Fläche sehr gut an. Aufgrund des hohen Verbissdruckes kommt aber kein Pflänzchen durch.

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