Entdeckungsreise zu den Eintrittspforten des Waldes

Waldbegehung in Langenegg thematisierte die ökologische Bedeutung von Waldrändern

Von der zarten Wildblume, zum Haselnussstrauch bis hin zu den mächtigen Tannen – der Lebensraum Waldrand ist in seiner Artenvielfalt unübertroffen. Er bildet einen zentralen Bestandteil des Ökosystems Wald. Bei einer Waldrand-Begehung am 23. September 2021 mit DI Stephan Philipp MSc., Fachbereichsleiter für Waldökologie und Forstplanung beim Amt der Vorarlberger Landesregierung, stand die Wichtigkeit und Schönheit eines Waldrandes sowie einer Hecke im Fokus. Ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere, der in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten ist.

„Am Waldessaume träumt die Föhre“, so beginnt ein bekanntes Gedicht von Theodor Fontane. Doch nicht nur die Föhre sonnt sich im Lichte des Waldrandes, eine reiche Artenvielfalt von verschiedenen Gräser-, Strauch- und Baumarten kennzeichnen den Raum zwischen Wald und Nutzungsgebiet.

Lineare Grenzen statt artenreicher Waldrand
Als der Bedarf an Nutzflächen, die Bodenknappheit und -preise anstiegen, verschwanden die Waldränder immer mehr vom Landschaftsbild. Klare und linienförmige Übergänge zwischen Wald und Wiesen nahmen immer mehr zu. Der Lebensraum Waldrand, mit all seinen Pflanzen- und Tierarten, wurde kontinuierlich zurückgedrängt.

Der Plenterwald in Langenegg soll daher ein positives Beispiel an Biodiversität sein. „Ein idealer Waldrand kann man sich wie eine Startrampe in den Wald vorstellen“, erklärt Stephan Philipp den interessierten Teilnehmenden der Waldbegehung. „Dabei bildet ein Krautsaum, ein Strauchgürtel und der Waldmantel eine stufenförmige Anordnung zu den hochwachsenden Baumsorten.“ Dieser Aufbau des Waldrandes ist vor allem bei starken Winden von Bedeutung, da dieser die Luft langsam nach oben gleiten lässt. Das Risiko für Windwurf und Bruchgefahr wird somit gesenkt. Auch der natürliche Wasserhaushalt eines Waldes wird mit einem naturnahen Waldrand aufrecht gehalten, ein Faktor, der in Zeiten des Klimawandels nicht außer Acht gelassen werden darf.

Viele Fragen rund um Hecken und Waldrand lichten sich bei der Begehung.
Bei einem strahlenden Herbsttag führt der Begehungsrundgang durch den Plenterwald, zu seinen Rändern sowie zu einer Hecke, die zwischen großen Wiesenfelder gedeiht. Wo ein Waldrand direkt an einen Wald anschließt, steht eine Hecke isoliert da. Sie bildet eine naturnahe Abgrenzung von Feldern und Wiesen. Bei der Begehung wurde klar, dass eine solche Hecke nicht mehr üblich ist. „Hecken müssen oft einem gewöhnlichen Zaun weichen, da dieser unter anderem weniger Schatten wirft“, fügt ein Teilnehmer hinzu. Doch hier bei der Hecke, wie auch am Waldrand, ist das Ziel, eine Balance zwischen ökologischer Vielfalt, Nachhaltigkeit und ökonomischer Nutzen zu schaffen. Den Teilnehmenden wurde klar, dass zielgerichtete Maßnahmen hier von langfristiger Bedeutung sind.

Bild oben: DI Stephan Philipp erklärt die „Startrampe“ in den Wald mit einer stufenförmigen Anordnung vom Krautsaum, über einen Strauchgürtel hochwachsenden Baumarten (Foto Dorothee Glöckle).

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