Oktober 2018

Wald Wild Wein

Die Waldvereins Ortsgruppe und die Hegegemeinschaft Hinterer Bregenzerwald luden vergangene Woche zu einer gemeinsamen Tagung ein. Es wurde informiert, diskutiert und zum Ausgleich und Festigung der Partnerschaft auch guter Wein getrunken.

Wichtige Weißtanne 

Der Forstingenieur Ueli Strauss aus St. Gallen referierte über die forstfachlichen Zusammenhänge und Dynamiken in der Waldentwicklung. Er betonte die Wichtigkeit der Erhaltung und Förderung unserer Bergmischwälder für eine langfristige Sicherstellung Waldwirkungen insbesondere natürlich der der Schutzfunktion. Hier betonte Strauss die Weißtanne, die eine höhere Toleranz gegenüber der in Gang befindlichen Klimaänderung hat. Für eine aktive Waldbewirtschaftung brauchen wir angepasste Wildbestände. So muss die Schattbaumart Weißtanne vorverjüngt werden können, sonst kommt es bei einer Auflichtung zu einer unerwünschten Verunkrautung (zB mit Brombeere), die ein Aufkommen der Waldverjüngung stark erschwert.

Abschussstruktur berücksichtigen


Der zweite Referent Dr. Hubert Zeiler wies, wie bereits beim Raggaler Grundbesitzertag im Frühjahr, auf die Wichtigkeit der Berücksichtigung der Abschussstruktur zwischen Hirschen und Kahlwild hin. Wenn nicht mindestens ein Verhältnis von 20:40:40 (Hirsche:Tieren:Kälber) berücksichtigt wird, „schießen“ wir die Bestände, wie in den vergangenen Jahrzehnten fast in ganz Europa, weiter nach oben. In der Anpassung der Wildbestände an den Lebensraum, im Schutz der Wildlebensräume und in einer aktiven Waldbewirtschaftung wurden wichtige Erfolgsfaktoren für Wild und Wald in der Zukunft gesehen.

Waldboden


Am Samstagnachmittag setzte die Tagung mit einer Waldexkursion in Schoppernau fort, wobei vor allem die Bedeutung des Bodens für Fauna und Flora der Wälder in den Vordergrund gerückt wurde. Die Teilnehmenden bekamen dabei einiges an interessantem Wissen von Dr. DI Walter Fitz, DI Hubert Schatz und DI Peter Feuersinger zu sehen und zu hören. Darüber hinaus konnten sich die Exkursionsbesucher zusätzlich dem entscheidenden Einfluss des Bodens durch riechen und schmecken bei der anschließenden Weinverköstigung mit Bodenvergleich bewusst werden.

Bild: Für die Verbesserung der Wald-Wild- Situation gab es letzte Woche eine sehr gut besuchte Fachtagung im Hinteren Bregenzerwald.

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Sollen Wildtiere gefüttert werden?

Im Gegensatz zu Haustieren oder Nutztiere müssen Wildtiere nicht gefüttert werden. Sie haben verschiedene Überlebensstrategien. Im Nachbarkanton St. Gallen wird Rotwild nicht gefüttert. Am Vorarlberger Waldtag Mitte Oktober des Vorarlberger Waldvereins wurde das Konzept aus St. Gallen in der Inatura in Dornbirn vorgestellt und über Zukunftsstrategien für Vorarlberg diskutiert.
Im letzten Winter gab es aufgebauschte Medienberichterstattung über die Tragik von zwei verhungerten Hirschen im Kleinen Walsertal. In der damals medial emotional geführten Diskussion wurden wildökologische Grundlagen und Erkenntnisse völlig außer Acht gelassen. In unserem Nachbarland St. Gallen werden Rothirsche grundsätzlich nicht gefüttert. Silvan Eugster vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei im Kanton stellte das neue Konzept aus St. Gallen vor: Im Gegensatz zu Haustieren brauchen Wildtiere kein Futter vom Menschen. Sie haben verschiedene Überlebensstrategien entwickelt und sind für den Nahrungsengpass und tiefe Temperaturen im Winter gut vorbereitet. Die Fortbewegung und Raumnutzung im Winter werden massiv reduziert, ebenso Stoffwechsel, Körpertemperatur, der Puls und die Verdauung. Damit reduziert sich der Energie- und Nahrungsbedarf um ein Vielfaches. Voraussetzung ist, dass übermäßige Störungen ausbleiben und die Wildtiere ihren Energiesparmodus umsetzen können. In der Schweiz sind dazu Wildruhezonen ausgeschieden, die sehr konsequent und mit relativ hohen Strafen von Wildhut, Forstdienst und Bergbahnen gemeinsam kontrolliert werden (Bußgeld in der Höhe von 500.- bis 1.000.- Franken).
Natürliche Winterauslese gut für den Wildbestand
Trotz diesen Energiesparmaßnahmen fordert der Winter je nach Härte und Kondition der Wildtiere alljährlich Opfer. Das ist aus menschlicher Sichtweise „erbarmungslos“, aber in der Natur gehört es dazu und fördert den Gesundheitszustand eines Wildbestandes. Je schwächer die Kondition der Tiere ist, umso höher wird die Fallwildrate in strengen Wintern ausfallen.
Hauptfaktor mit oder ohne Fütterung ist ein dem Lebensraum angepasster Wildbestand. Dieser kann sich auch ohne Fütterung stark erhöhen. In St. Gallen versucht man mit einer konsequenten Abschussverteilung auf die weiblichen Stücke die Situation in den Griff zu bekommen (nur 15 Prozent männliche Stücke).
Klarer Vorteil des Nichtfütterns ist nach Silvan Eugster, dass sich das Wild sich besser auf geeignete Wintereinstandsgebiete verteilt und hohe Konzentrationen auf kleinstem Raum ausbleiben. Der Stress unter den Wildtieren ist gering und die Seuchengefahr sinkt.
Nachteil des Konzeptes ist, dass die Wildbestanderfassung deutlich schwieriger wird. Die Dunkelziffern sind noch größer. Je nach Schneelage verändern sich auch die Orte des Wildeinstandes. Silvan Eugster zeigte dazu Bilder von großen Rotwildrudeln, die bei hoher Schneelage bis ins Rheintal herunterziehen. Dies kommt zwar selten vor, kann dann aber zu Konflikten mit der Freizeitnutzung und der Landwirtschaft führen. Der Druck der Öffentlichkeit nimmt bei Fallwildausfällen zu. Hier ist es wichtig entsprechend sachlich zu informieren und einen guten Kontakt zu den Reportern der regionalen Medien zu pflegen. Fallwild gibt es in langen, kalten und schneereichen Wintern mit und ohne Fütterung. Silvan Eugster zeigte sich vom Nichtfüttern in St. Gallen mit den Vor- und Nachteilen überzeugt. Erfreulich war auch die Aussage, dass die wichtige Mischbaumart Weißtanne sozusagen als Zeiger für angepasste Wildbestände in den St. Gallern Wälder gut aufkommt.
Auf Vorarlberg übertragbar?
Der Wildbiologe Hubert Schatz wies bei der möglichen Übertragung auf Vorarlberg auf die unterschiedliche Ausgangssituation hin. In Vorarlberg gibt es eine wildökologische Raumplanung für das Rotwild mit Kern-Rand- und Freizonen. Und mit der Fütterung erfolgt die Lenkung in die Kernzonen, wo der Aufenthalt des Rotwildes gewünscht ist. Bei einer Nichtfütterung würde das Wild automatisch auch in attraktive Winterlebensräume ausweichen, die nicht unbedingt im vorgesehenen Kerngebiet liegen. Große Rotwildrudel im Rheintal wären bei uns derzeit völlig unvorstellbar. Der zweite Punkt der in der Schweiz besser geregelt und umgesetzt ist die Ausscheidung und Überwachung von Wildruhezonen.
Wildstandsanpassung an Lebensraum
Für Obmann Walter Amann ist die wichtigste Forderung, dass dem Lebensraum angepasste Schalenwildbestände auf der Fläche erreicht werden. Dann kann er mit oder ohne Fütterung bei Rotwild leben. Alwin Muxel von der Jagdgenossenschaft Hittisau kann sich eine Nichtfütterung von Rotwild im Randbereich von Kerngebieten durchaus vorstellen, wenn entsprechende Überwinterungsgebiete vorhanden sind. Er zeigte auch die Problematik der stark angestiegenen und viel zu hohen Fütterungskosten und deren gerechten Verteilung auf die Reviere auf. Hier muss in der Region auch Platz für individuelle Lösungen sein.
Rehwild braucht keine Fütterung
Am Rande wurde auch über die Rehwildfütterung gesprochen. Hier gibt es ganz klar weder aus wildbiologischer Sicht noch aus Sicht der Wildschadensverhinderung eine Notwendigkeit der Fütterung. Hier sollte dringend mit einer Aufklärungskampagne bei den Jägern eine Abnahme der unnötigen Fütterung erreicht werden. Auch die Grundbesitzer können in den Jagdpachtverträgen entsprechende Zielvorgaben umsetzten.

Hinweis Kurs: Wie funktioniert eine Rehwildjagd ohne Fütterung?
Termin: 16.11.2018, 13:00 bis 16:30, Begehung im Raum Walgau, Treffpunkt wird noch bekannt gegeben, Kursbeitrag Euro 12.-; Anmeldung über das LFI Vorarlberg, T 05574/400-191, E lfi@lk-vbg.at oder I www. vbg.lfi.at

Bild: Aus menschlicher Sichtweise ist die Natur „brutal“. Geschwächte Tiere fallen im Winter aus. Das ist gut so und stärkt den Gesundheitszustand des gesamten Bestandes.

 

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Motorsägen Oldtimertreffen

Letzte Woche ging im Rahmen des Dornbirner Herbstes das erste Vorarlberger Motorsägentreffen über die Bühne. Die Organisatoren vom Fachbereich Forst & Umwelt von der Landwirtschaftskammer freuten sich über die insgesamt 48 Oldtimersägen, die mitgebracht und vorgestellt wurden.
Motorsäge – Symbol der Waldarbeit
Die Motorsäge ist wie kein anderes Werkzeug zum Symbol der Waldarbeit geworden. Im letzten Jahrhundert wurden mit der Entwicklung von kleineren Verbrennungsmotoren auch die ersten Motorsägen gebaut, die die schwere Arbeit im Wald erleichterten. Heute sind Motorsägen Hightech Geräte die viele Sicherheits- und Umweltkriterien erfüllen müssen. Mit dem „Treffen“ wurde die Freude an einer aktiven Waldpflege und -bewirtschaftung in den Mittelpunkt gestellt. Natürlich sind auch die Freaks der alten Technik auf den Dornbirner Marktplatz gekommen.
Klassiker und Raritäten
Eine Vielzahl von Klassikern von den Firmen Stihl, Dolmar und Husquarna aber auch absolute Raritäten wie Mc Culloch, R. Prinz, Remington oder Schefenacker wurden mitgebracht. Die ältesten Sägen waren Zweimannsägen von Anfang 1940. Auch die Funktionstüchtigkeit wurde bei Holzschnitten geprüft und bewertet. Hier gewann ein Forstarbeiter der Agrargemeinschaft Nenzing mit einer Schefenacker Motorsäge aus dem Jahre 1958. Von Jury und Publikum wurde die Zweimannsäge von Reinhold Hehle aus dem Jahre 1940 ausgezeichnet. Neben drei Stihlmotorsägen und einigen Inside Dornbirn Gutscheinen stand auch ein „Motorsägenführerschein“, gesponsert von „Sicheres Vorarlberg“ als Preis zur Verfügung. Josef Böhler von der Firma Forsttechnik in Schwarzach zeigte im Gegensatz dazu die neusten Geräte. Hat eine Stihlmotorsäge in den 60er Jahren noch dreizehn Kilogramm gewogen, wiegt heute eine neue Forstprofisäge um die fünf Kilogramm.

Bild: Von Klassiker bis zu absoluten Raritäten wurden beim ersten Vorarlberger Motorsägentreffen mitgebracht.

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Staatspreis für beispielhafte Waldbewirtschaftung

Letzte Woche hat Johann Küng für die Agrar Frassenwald den Staatspreis für beispielhafte Waldbewirtschaftung entgegen nehmen dürfen. Die Schutzwalbewirtschaftung wird im Kirchwald über Raggal schon über Jahrzehnte beispielhaft durchgeführt. Großes Augenmerk wird auf eine Bergmischwaldverjüngung mit Weißtanne gelegt. Dazu wurde über viele Jahre für Lebensraum angepasste Wildbestände von Rot-, Reh- und Gamswild gekämpft.

Wertholzvermarktung und Arbeitseinkommen
Das qualitativ hochwertige Gebirgsholz wird gepflegt und den besten Wertschöpfungsketten, wie z.B. der Verwendung als Tonholz, zugeführt. Dabei wird das Qualitätspotential des Frassenwaldes auch für die breite Öffentlichkeit sichtbar in Wert gesetzt, wie bei den Vorarlberger Wertholzsubmissionen der letzten Jahre. Die bemerkenswerten Preise, die bei diesen Vermarktungsaktivitäten erzielt werden, liefern Ansporn und Bestätigung, dass sich qualitätsorientierte Waldpflege lohnt.

Wir gratulieren sehr herzlich für die hohe Auszeichnung.

Link zu kleinem Präsentationsfilm der Agrargemeinschaft Frassenwald:

https://sbg.lko.at/agrargemeinschaft-frassen-vorarlberg+2500+2792752

 

Im Bild die Vertreter der Agragemeinschaft Frassenwald mit den ersten Gratulanten in Salzburg.

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