Juni 2018

Borkenkäfergefahr steigt 2018!

In den letzten Jahren waren wir in Vorarlberg weitgehend von einer Borkenkäfermassenvermehrung verschont geblieben. Heuer ändert sich die Situation, weil durch den Windwurf „Burglind“ Anfang des Jahres trotz intensiven Aufarbeitungsbemühungen einiges an „bruttauglichem“ Material im Wald zurückbleibt. Weil der Rundholzmarkt überlastet ist kann jetzt über den Vorarlberger Waldverband mit einer Zwischenlagerung in einem Nasslager eine kontinuierliche Abfuhr gewährleistet. Mögliches bruttaugliches Material wird damit für eine mögliche Massenvermehrung dem Borkenkäfer entzogen.
Engpässe am Rundholzmarkt
Der Rundholzmarkt ist aufgrund der erhöhten Mengen aus den Windwürfen in ganz Europa unter Druck (nicht nur Sturm „Burglind“ bei uns). Die Kapazitäten in der Holzlogistik sind an ihre Grenzen gekommen. Beim Schwachnutzholz, das von Vorarlberg zu großen Sägewerken ins Tirol geliefert wird, stehen einerseits zu wenige Waggons bei der Bahnverladung bei der ÖBB zur Verfügung und andererseits fehlt es auch bei Abnahmekapazitäten der Sägewerke selbst. Bei Starknutzholz, dass bei den Vorarlberger Sägewerken geliefert wird, hat die Abnahme lange relativ gut funktioniert. Jetzt kann es aber auch hier zu Engpässen führen.
Nasslagerung mit Vorteilen
Bei der Nasslagerung wird ein Neubefall verhindert und vorhandene Bruten können nicht überleben. Ein großer Vorteil der Nasslagerung zu anderen Trockenlagervarianten ist, dass die Holzqualität über längerer Zeiträume nicht beeinträchtigt wird. Die Organisation und Abwicklung des Nasslagers läuft in Zusammenarbeit mit der Agrargemeinschaft Altenstadt über den Waldverband Vorarlberg. Der Waldverband ist eine Serviceeinrichtung für alle Vorarlberger Waldbesitzer. Damit ist gewährleistet, dass von dieser Maßnahme auch alle Waldbesitzer profitieren können. Für die Zukunft mit der drohenden Zunahme von Windwürfen wird die Einrichtung von mehreren Nasslagerplätzen im Rahmen eines Katastrophenmanagements immer wichtiger.

Problem exponentielle Vermehrungsraten
Vermehrungsraten (ohne Geschwisterbruten)
Ausgangsbestand 200 weibl. Buchdrucker, 40 Nachkommen (Geschlechterverhältnis 1:1)
Eltern:  200 ♀ + 200 ♂
1. Generation:  8.000 Käfer davon
 4.000 ♀ + 4.000 ♂
2. Generation 160.000 Käfer davon
 80.000 ♀ + 80.000 ♂
3. Generation 3,2 Mio Käfer davon
 1,6 Mio ♀ + 1,6 Mio ♂
4. Generation 64 Mio Käfer davon
 32 Mio ♀ + 32 Mio ♂

Maßnahmen - Tipps
+ Kontrolle bei regelmäßige Waldbegängen, insbesondere Nachbarbäume von früheren befallenen Bäumen, Kontakt zum Beratungsservice der Landeswaldaufseher nutzen.
+ Möglichst wenig „bruttaugliches“ Material im Wald belassen (per Forstgesetz sogar gesetzlich verpflichtend).
+ Befall schwer zu erkennen (kleine Einbohrlöcher, brauner Bohrmehlaustritt, grüne Nadeln am Boden). Beratungsservice des zuständigen Landewaldaufsehers nutzen.
+ Aufgearbeitetes Holz möglichst rasch aus dem Wald abführen, Vermarktungsservice des Vorarlberger Waldverbandes nutzen (Ing. Edgar Häfele, 0664/60 259 19 461, edgar.haefele@lk-vbg.at)
+ Bereits abgestorbene Fichte sind im Übrigen nicht mehr „bruttauglich“ und müssen aus Forstschutzgründen nicht mehr entfernt werden (Käfer ist bereits ausgeflogen).
+ Eine sehr effiziente Methode ist die Fangbaumvorlage im Frühjahr. Hier wird versucht möglichst viele Käfer der Elterngenerationen abzufangen und damit die Massenvermehrung einzuschränken.
+ weitere Maßnahmen: Prügelfalle, Phermonfallen, Entrinden, Zerkleinern, Schutz bei der Lagerung, natürliche Gegenspieler fördern (Borkenkäferbroschüre bei der Landwirtschaftskammer anfordern).


Bild: Mit der Zwischenlagerung im Nasslagerung kann eine kontinuierliche Abfuhr des Holzes aus dem Wald gewährleistet werden. Mögliches bruttaugliches Material wird dem Borkenkäfer entzogen.

Weiterlesen …

Neue große Waldzeitung

Jetzt ist die neue große Waldzeitung bereits in der vierten Auflage erschienen. Sie können auch digital darin Blättern. Diese mal gibt es wieder interessante Beiträge zur Waldbewirtschaftung und dem Naturschutz, der Lebensraum für Wildtiere kommt vor, Bau gesünder mit Holz und weitere Beiträge laden zum Informieren über Wald, Holz und Lebensraum ein.

Viel Vergnügen

Ihr Redaktionsteam vom Vorarlberger Waldverein

http://www.waldverein.at/waldzeitung-im-detail.html?id=180625070457-38aefc08d426fb753ae9756562fa3fd6

Weiterlesen …

Luchs als Bereicherung im Lebensraum

In Vorarlberg wurden in einigen Gebieten wieder Luchse nachgewiesen. Das bereichert die Wälder und hilft mit den Rehwildbestand zu regulieren.
Anlässlich der Gründung der Ortsgruppe Bodensee Wälder des Vorarlberger Waldvereins referierte der bekannte Wildbiologe und Buchautor Bruno Hespeler am 17.Juni in Bregenz. Das bis zu 25 Kilogramm schwere etwa 1,10 Meter lange Wildtier, das etwa 10 Jahre alt wird, bezeichnete Bruno Hespeler als harmlose „Mietzekatze“, von der sicher keine Gefährdungen für den Menschen ausgehen. Sogar als Jungtiere markiert wurden, gab es keine Angriffe von dem in der Nähe befindlichen Muttertier, berichtet Hespeler von einem Luchsprojekt. Nachdem bis auf wenige Ausnahmen keine Schafe oder Ziegen zu seinem Beuteschema zählen, gibt es auch keine Konflikte mit der Landwirtschaft.
„Mietzekatze“ für Rehwildregulierung
Hauptsächlich ernährt sich der Luchs von Rehen und teilweise von Gamswild. Sein Revier ist bis 250 Quadratkilometer groß. Pro Tag werden dabei nur 2% des Gebietes genutzt. Der Pirsch- und Lauerjäger betreibt eine ausgesprochene Intervalljagd. Gleiche Gebiete werden hintereinander nicht bejagt. Es gibt keinen Gewöhnungseffekt für das Rehwild. Zusätzlich können je nach Zufall auch Mäuse, Füchse, Hasen, Hauskatzen oder auch Raufußhühner auf dem Speisezettel sein. Auf die Rehwildregulierung kann der Luchs mit einem Verbrauch von ca. 1 kg pro Tag Einfluss haben, der durchaus positiv auf den Wildbestandsdichte, aber auch auf die Gesundheit und die Kondition in den Rehwildpopulationen wirkt. Wie die Abschussstatistiken in Gebieten mit Luchsvorkommen zeigen, gibt es in dieser Hinsicht nur geringe Veränderungen. Die bisher durch natürliche Umstände ausgefallenen Rehe, zählen jetzt zur Beute vom Luchs. Er hat ein Gespür für schlecht konditionierte Wildtiere, ist sich Bruno Hespeler sicher. Zu erkennen ist ein Luchsriss relativ einfach, weil er zuerst das Muskelfleisch nutzt. Wenn nur das tote Tier daliegt, ist der Drosselbiss mit kleinen Einstiche der Zähne nur schwer zu erkenn. Ein Reduzieren der Abschusspläne ist nach Hespeler, um das Wollwollen der Jäger zu bekommen in den meisten Fällen nicht notwendig.
Populationen leider nicht gesichert
Offiziell wird der Luchs von den Jägern begrüßt. Leider kommen einige Luchse durch illegale Abschüsse oder Vergiftungen zu Tode. Ein spezielles Problem für die Luchspopulation ist die genetische Verarmung und Verinselung der Verbreitungsgebiete. Meistens gehen die Luchsvorkommen auf Wiedereinbürgerungsprojekte mit wenigen Exemplaren zurück. Daneben spielen auch noch Straßenverkehrsverluste, Katzenkrankheiten und innerartliche Auseinandersetzung eine Rolle bei den Todesursachen. Damit ist die Wiederansiedlung in Europa leider nicht gesichert. Bruno Hespeler wünscht sich hier weitere Verbesserungen und ein hohe Akzeptanz für dieses Wildtier bei den Jägern und in der ganzen Gesellschaft.

Bild: Bei der Gründung der Ortsgruppe Bodenseewälder des Vorarlberger Waldvereins referierte Bruno Hespeler zum Luchs in unseren Wäldern (im Bild links mit Moderatorin Martina Rüscher, Fotoquelle Lk Vorarlberg).

Weiterlesen …

„Kopf frei in Arbeit“

Am 13. Juni 2018 wurde beim Waldlehrpfad am Ardetzenberg in Feldkirch anläßlich der Woche des Waldes die Lockpfostenaktion im Waldbereich vorgestellt.

Wälder sind wunderbare Lebensräume, auch für den Menschen. In Zeiten zunehmender Arbeitsbelastung und Digitalisierung bieten sie Erholung und Abhilfe gegen Stress. „Der Aufenthalt in Wäldern ist auch das beste Mittel um der zunehmenden Entfremdung unserer Kinder von der Natur entgegenzuwirken.“, meint Bürgermeister Mag. Wilfried Berchtold bei der vorstellung. „Auch auf diesem Weg tragen Wälder zur Nachhaltigkeit bei“, so Berchtold.
Respekt und Wertschätzung gegenüber den Waldeigentümern
Die vielfältigen positiven Wirkungen des Waldes kommen der gesamten Bevölkerung zugute. Für Landesforstdirektor DI Andreas Amann ist es wichtig, dass die Waldeigentümer motiviert sind ihren Wald selbst zu pflegen, da die Erbringung der selben Leistungen durch die öffentliche Hand wesentlich teurer wäre.
„Kopf frei in Arbeit“
Die „Lockpfostenaktion“, die im Rahmen eines EU-Projektes zusammen mit den Vorarlberger Forstbetrieben und der Landwirtschaftskammer organisiert wurde, kommuniziert die wichtigen Waldwirkungen in kurzen Worten. Dazu gehört der Pfosten mit „Kopf frei in Arbeit“: Waldspaziergänge machen den Kopf frei und den Puls ruhig. Sie stärken das Immunsystem, verbessern die Schlafqualität und harmonisieren das Nervensystem. Wir Waldbesitzer sind stolz auf unsere naturnahe Waldbewirtschaftung. Ähnlich positiv wie der Wald wirken auch Holzumgebungen und Holzbauten. Gesundheitszellen, die Krankheitserreger bekämpfen, werden bereits durch einen einzigen Waldspaziergang um 50 Prozent aktiviert.
Der Präsident der Landwirtschaftskammer Josef Moosbrugger betont dabei die Bedeutung der verschiedenen Waldwirkungen, dazu gehören insbesondere auch die Nutz- und Schutzwirkungen in Vorarlberg. Diese werden auf zwei weiteren „Pfosten“ hervorgehoben:
„Holz in Arbeit“: Im Vorarlberger Wald auf ca. 100.000 ha (37% der Landesfläche) wächst jedes Jahr wesentlich mehr Holz nach als genutzt wird. Die regionale Baustoff- und Energieträgernutzung könnten wir damit nachhaltig weiter ausbauen.
„Schutz in Arbeit“: In einem Gebirgsland wie Vorarlberg sind die Schutzwirkungen des Waldes gegen Lawinen, Muren, Erdrutsche, Steinschläge bis zum allgemeinen Hochwasserschutz existenziell wichtig. Unsere aktive Waldbewirtschaftung ist für die Erhaltung und Verbesserung außerordentlich bedeutend.
„Und das Ganze kann - und auf das sind wir Waldbesitzer auch stolz - auch im Einklang mit dem Naturschutz ausgeführt werden“ betont DI Thomas Ölz, Fachbereichsleiter bei der Landwirtschaftskammer Vorarlberg und weist auf den Pfosten „Natur in Arbeit“ hin:
„Natur in Arbeit“: Viele Pflanzen- und Tierarten profitieren von unserer kleinflächigen Waldbewirtschaftung in Vorarlberg. Wir Vorarlberger Waldbesitzer bieten damit eine herausragende Leistung für den Naturschutz. Die umfassende Nachhaltigkeit des Vorarlberger Waldes wird mit der international anerkannten PEFC-Zertifizierung bestätigt. Vorarlbergs Wald zeigt innerhalb Österreichs die weitaus höchste Naturnähe auf. Zum Beispiel: Die „Natur-Zeigerart Auerwild“ profitiert nachweislich von Holznutzungen.

Bild : Bei der Präsentation Lk Präsident Josef Moosbrugger mit DI Thomas Ölz und Ing. Elmar Nöckel vom Forstbetrieb der Stadt Feldkirch

Weiterlesen …

Klimaschutz Petition für eine Finanzierungsautonomie

Nach einer groben Abschätzung braucht es alleine in Vorarlberg ca. 5 Milliarden Euro an Investitionen, um die Energieautonomie umzusetzen. Dafür würde aber eine jährliche Wertschöpfung von bis zu 400 Millionen Euro, eine gesicherte Energie-Eigenversorgung und eine weitgehend Co2 neutrale Wirtschaft realisiert werden. Die Arge erneuerbare Energie fordert mit Unterstützung durch 22 Gemeindevertretungen sowie 8 Organisationen wie Bio Vorarlberg oder dem Vorarlberger Waldverein den Vorarlberger Landtag auf, für die beschlossene Energieautonomie auch eine langfristige Investitions- und Planungssicherheit zu schaffen. Sie untermauern dabei ihr Anliegen mit einer  freiwilligen CO2 Abgabe, als ersten Schritt zu einer gelebten Kostenwahrheit.
Wir alle sind aufgefordert, Eigenverantwortung für die von uns verursachten  CO2 Emissionen zu übernehmen. Ebenso gilt es, die Veränderungsprozesse für eine enkeltaugliche Energieversorgung mitzugestalten bzw. mitzutragen. Denn der Umbau unserer Energieversorgung  - weg von zentralen Großkraftwerken mit Atomkraft oder Öl/Gas/Kohle hin zur Eigenversorgung mit erneuerbaren Energieträgern - ist eines der größten Wirtschaftsprogramme im 21. Jahrhundert. Alleine in Vorarlberg gilt es, Investitionen von ca. 5 Milliarden Euro zu realisieren und damit zu finanzieren. 
So wie das Abwasser und der Abfall einen Preis bekommen haben, und damit die Finanzierung der Reinigung bzw. des Recyclings sichergestellt ist, braucht es auch eine CO2-Abluftgebühr für diejenigen, die Energie aus Öl/Gas/Kohle verwenden, um damit Klimaschutzprojekte möglich zu machen.
Stellungnahme Vorarlberger Waldverein
Klimaschädliches CO2 wird in unserer „Fabrik Wald“ gebunden und mit Wasser und Licht in Zucker/Zellulose umgewandelt. Nebenprodukt lebenswichtiger Sauerstoff!! Einfach genial!
Und das Gute daran: Wir haben noch weitere hohe nachhaltige Zuwachspotentiale. Der Vorarlberger Waldverein unterstützt daher die Petition „Wir sind Klima“ und fordert den weiteren Ausbau der Holzenergie!


Bild: Mit „Holzgehfahrzeugen“ wurde die Petition zur Einführung einer CO2 Abgabe zur Finanzierung von Klimaschutz und Energieautonomie übergeben.

Weiterlesen …