April 2018

Es funktioniert: Schutzwald, Wild und Jagd!

Vor 25 Jahren wurde im Bergdorf Ebnit über Dornbirn die Wichtigkeit der Schutzwirkung des Waldes nach einer Windwurfkatastrophe offensichtlich. Es wurde reagiert, geplant, koordiniert und konsequent umgesetzt. Heute zeigen sich schöne und verdiente Erfolge.
Waldaufseher Hannes Klocker erinnert sich anlässlich einer Exkursion zu seiner Pensionierung Ende April an die damalige schwierige Zeit. Im Bergdorf Ebnit sind durch die Windwürfe und anschließenden Käferkalamitäten Anfang der 90´er Jahre im Schutzwaldgürtel oberhalb des Dorfes die Schutzwaldwirkung Großteils ausgefallen. Es war schnell klar, dass konsequent und „scharf“ gehandelt werden muss, um eine stabile Waldentwicklung zu erreichen.


„Harte“ Widerständen mit Problembewusstsein überwinden
Die Waldverjüngung im Schutzwald ist sozusagen bereits von „Natur“ aus an außerordentliche Faktoren gebunden: steile und extreme Standorte, besondere Witterungseinflüsse (Wind, Schnee, Wasser, kürzere Vegetationszeiten) und geringere Reproduktionsraten bei den Baumarten. Deshalb wird ein tragbarer Wildverbiss in der Waldverjüngung in diesen Schutzwaldlagen so wichtig. Gerade der dadurch verursachte Ausfall der Mischbaumarten (wie beispielweiser der Weißtanne), die für den zukünftigen stabilen Waldaufbau zentral wichtig sind, aber auch das Verlängern des ohnehin schon langen Verjüngungszeitraumes können nicht toleriert werden. Mit der neuen konsequenten Ausrichtung gab es für den aktiven und problembewussten Jagdausschuss, bei der Exkursion durch den langjährigen Obmann Wolfgang Peter und den heutigen Norbert Peter vertreten, auch „harte“ Widerstände zu überwinden. Für den heutigen Erfolg sehr entscheidend war hier rückblickend die sehr konstruktive und gute Zusammenarbeit zwischen den Grundbesitzervertretern, der Forst- und Jagdbehörde, der Wildbach- und Lawinenverbauung und der offiziellen Jägerschaft mit Bezirksjägermeister Ewald Baurenhaas. Ein „Umdenken“ und Problembewusstsein für die notwendigen Maßnahmen, dass es einfach nicht anders geht, wurde durch laufend durchgeführte Begehungen und Informationsveranstaltungen erreicht. Zuerst wurde mit einer Selbstverwaltung der Jagd, danach wieder mit einer normalen Verpachtung an waldorientierte Jäger gearbeitet.


Informations-, Koordinations- und Kontrollaufgaben
Beim Waldaufseher laufen viele Informationen zusammen. Er kontrolliert die Waldentwicklung und koordiniert die verschiedensten Maßnahmen in Forst und Jagd. Wenn Dinge nicht oder nicht richtig umgesetzt werden, muss dies auch Konsequenzen haben. Bei den laufenden Informationen bei Begehungen aber auch bei Anfragen von Waldbesitzern oder Jagdausübenden spielt er eine wichtige Rolle. Nach Jahren mit positiven Entwicklungen, kommen wieder Jahre in denen es nicht so gut läuft. Hier braucht es entsprechende Reaktionen. Eine laufende Herausforderung! Waldaufseher Hannes Klocker zeigte hier weit über seine dienstliche Pflichten hinaus ein ausgesprochen hohes Engagement. Auch die Jagdbehörde agierte in Dornbirn erfreulich flexibel unbürokratisch.

Motivation und Freude an „Urreizen“ der Jagd
Solche Anforderungen führen natürlich zu einigen Zeitaufwendungen und Anstrengungen in der Jagdbewirtschaftung und werfen die Frage auf, ob eine solche Jagd überhaupt noch Freude machen kann. Gerade dadurch, dass die Bejagung nicht ganz einfach ist, werden die „Urreize“ des Jagens angesprochen. „Natürlich ist eine solche Jagd mit einem hohen Aufwand und Herausforderungen verbunden, aber schlussendlich macht es schon Freude, sonst würden wir es nicht machen“, ist die Antwort der heutigen Jäger. Es können schöne Erfolge vorgezeigt werden. Die Weißtanne verjüngt sich wieder sehr gut. Das ist in einem Gebiet in dem alle drei Schalenwildarten vorkommen überhaupt nicht selbstverständlich. Die Erfolge bringen wieder viel Motivation den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Langfristiges Ziel stabiler Schutzwald
Es waren natürlich auch technische Unterstützungen, wie Lawinenwerke, Gleitschneeböcke , Drainagen oder Steinschlagschutznetze notwendig. Auch die Erschließung mit Forstwegen für gezielte kleinflächige Verjüngungshiebe und auch Aufforstungsmaßnahmen mit einigen tausend Pflanzen wurden durchgeführt. Für den langfristigen Schutz vor den Naturgefahren braucht es in allen Gebirgslagen bei uns eine gesunde und stabile Waldentwicklung. Die größte Herausforderung stellt jetzt die Beibehaltung der positiven Rahmenbedingungen dar. Hier wurde die aktive Rolle der Stadt Dornbirn sehr lobenswert hervorgehoben und für die Zukunft als wichtige Verpflichtung gesehen.

Erfolgsfaktoren
_ Engagierte Grundbesitzer formulieren klare Zielsetzungen und fordern laufend die Umsetzung (biotopangepasste Schalenwildbestände)
_ Jäger mit positiver Waldeinstellung und Freude an der Jagd
_ aktive Rolle der Gemeinde und politischer Rückhalt von Landesseite
_ Aktive Information mit Begehungen und Informationsveranstaltung für ein breites Problembewusstsein bei Jägern, Waldbesitzer und der Bevölkerung
_ Koordination und Kontrollfunktion durch den Landeswaldaufseher (mit gesamter Forstbehörde)
_ Wildbach- und Lawinenverbauung als unabhängige Bundesbehörde
_ Gegenseitige Motivation mit erreichten Erfolgen für Waldaufseher, Jägerschaft und Jagdgenossenschaft


Bildtext: Erfolgreiche Schutzwaldverjüngung mit Weißtanne oberhalb des Bergdorfes Ebnit. In einer engen Zusammenarbeit von Grundbesitzer, Forst- und Jagdbehörde, Wildbach- und Lawinenverbauung und Bezirksjägermeister wurde die Basis für eine gesunde Waldentwicklung gelegt (im Bild rechts außen Waldaufseher Hannes Klocker mit einigen Wegbegleitern und Ausschussmitglieder des Dornbirner Waldvereins).

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Mähtod verringern

Die Zeit der ersten Mahd im Frühjahr ist gleichzeitig die Geburtszeit vieler heimischer Wildtiere. Rehkitze und Junghasen werden zum Schutz oft im hohen Gras von Wiesen abgelegt. Dort werden die Jungtiere im Zuge der Mahd leider häufig übersehen und fallen bei Unfällen den Mähmaschinen zum Opfer.
Feldhasen, Rehe und andere heimische Wildtiere bringen jetzt zur Frühlingszeit ihre Jungen zur Welt. Wärend sich die Muttertiere auf Nahrungssuche begeben, lassen sie die Jungtiere im hohen Gras zurück um ihnen Schutz vor natürlichen Feinden zu bieten. Schätzungen zu folge kommen österreichweit jährlich rund 30.000 Rehkitze durch die Mähwerke der Landmaschinen ums Leben, erklärt Gernot Heigl von der Vorarlberger Jägerschaft anläßlich einer Presseinformation am 17. April bei der Inatura in Dornbirn: „Rehkitze und junge Feldhasen haben noch den sogenannten Drückinstinkt. Das bedeutet, dass sie bei drohender Gefahr nicht fliehen, sondern regungslos liegen bleiben und auf ihre Tarnung vertrauen.“ Um diese Unfälle zu vermeiden ist es wichtig, die entsprechenden Maßnahmen vor und wärend der Mahd zu treffen. Durch eine gute Zusammenarbeit von LandwirtInnen und JägerInnen können viele der jungen Tiere vor dem Tod oder schwerwiegenden Verletzungen gerettet werden.
Heute stehen bereits verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um Jungtiere zu retten. Besonders wirksam sind sogenannte „Kitzretter“. Ein auf einem Stock in ca. 1,5 m Höhe befestigtes Gerät gibt regelmäßige Licht- und Tonsignale ab, welche von den Tieren als irritierend und unangenehm wahrgenommen werden. Dadurch verlassen sie die Felder und bringen ihren Nachwuchs an einem anderen Ort in Sicherheit. „Die Kitzretter funktionieren ganz einfach“, erklärt Gernot Heigl: „sie werden am Tag vor der Mahd angebracht und anschließend wieder entfernt. Gemeinsam mit der Wildtierhilfe Vorarlberg haben wir die Kitzretter getestet und eine große Erfolgsrate feststellen können. 50 Stück davon wurden heuer im Zuge einer Sammelbestellung angeschafft und verteilt“, so Heigl. Bereits letztes Jahr starteten die Wildtierhilfe Vorarlberg und die Jägerschaft gemeinsam die Initiative zur Kitzrettung. Damals wurden in einer ersten Testphase 20 Kitzretter in Umlauf gebracht. „Mit relativ geringem Aufwand ist es möglich, das Leben der Jungtiere zu retten, deshalb hoffen wir, dieses Jahr noch mehr Landwirte und Jäger mit dieser Aktion zu erreichen“, so Katharina Löschnig, Obfrau der Wildtierhilfe. Weitere wirksame Maßnahmen sind sogenannte Wildscheuchen, bei denen Plastiktüten, Luftballons oder Dosen auf Stöcken befestigt werden, die bei den Rehen ebenfalls für Irritationen sorgen. Neben optischen und akustischen Methoden wirken auch vergrämende Geruchsstoffe wie Haarspray, um die Tiere kurzfristig von den Mähflächen zu vertreiben.

Von innen nach außen Mähen
Die herkömmliche Methode – am Feld- bzw. Wiesenrand mit der Mahd zu beginnen – führt dazu, dass Wildtiere nach innen getrieben werden und dort schlussendlich dem Mähwerk zum Opfer fallen. Das „mähen von innen nach außen“ würde bei bereits fliehende Tieren ein Ausweichen in angrenzende Flächen bewirken. Bei verharrenden Hasen oder Rehkitze hilft nur die oben beschriebene Methode. Dabei wird, ohne den Außenrand anzumähen, die Mahd im Inneren der Parzelle begonnen und dann von innen nach außen fortgesetzt. Voraussetzung für den Schutz von Wildtieren vor dem Mähtod ist in allen Fällen die Bereitschaft von Jägern und Landwirten, zusammen zu arbeiten und dafür einen gewissen Zeit- und Personalaufwand zu leisten.


Verunreinigungen im Grünfutter werden verhindert
Die Landwirtschaftskammer empfiehlt den Landwirten, die richtige Mähtechnik einzusetzen und entsprechende Hilfsmittel zur Vermeidung von Unfällen in Anspruch zu nehmen. Schließlich geht nur um eine Tierschutzmaßnahme, sondern auch Verunreinigung Wiesenfutter werden verhindert (insbesondere bei Silieren ein Problem). Wenn es auf Wiesengrundstücken immer wieder zu Unfällen kommt, sollte zum lokalen Jägern ein Kontakt gesucht werden. Informationen zu den zur Verfügung stehenden Geräten bekommen Sie auch in der Geschäftsstelle der Vorarlberger Jägerschaft (Vorarlberger Jägerschaft, Gernot Heigl, 05576/74633, info@vjagd.at).

Bild "Kitzschreck": Der "Rehwildschreck" bewirken mit Schallwellen und optischen Blinken ein Vergrämen der Rehgeiß samt Kitz von der Fläche (© Naturtech-Oberland).

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