Oktober 2017

Faszination Weißtanne

Heimisches Weißtannenholz erfreut sich heute bei vielen Architekten, Planer und Bauherr/innen einer hohen Beliebtheit. Die Holzatmosphäre kombiniert mit der ausgezeichneten Wohnbiologie ist einzigartig.
Das Forum Weißtannen aus dem Schwarzwald feiert heuer sein 20 jähriges Bestehen. Dazu wurde eine Veranstaltung „Faszination Weißtanne“ Anfang Oktober ausgerichtet, an der auch ein gleichnamiges 160 Seiten starkes Magazin vorgestellt wurde. So wie in Vorarlberg hat die Weißtanne im Schwarzwald ähnlich hohe Anteile im Wald. Die hohe Schattenverträglichkeit macht sie zur wichtigen Strukturbaumart und mit dem tiefe Bodenaufschluss ist sie eine besonders wichtige Schutzwaldbaumart.
Minister Peter Hauk aus Baden-Württemberg hob in seinem Eingangsstatement die Wichtigkeit der Weißtanne in klimastabilen und mehrstufigen Mischbeständen hervor. Er wies klar auf die nach wie vor bestehende Gefährdung durch überhöhte Wildbestände hin. Er freut sich aber sehr über die Verwendung ihres Holzes in vielen Bauten in Baden-Württemberg, das als Holzbauland Nummer eins in Deutschland gilt. Die Landesbauordnung soll in diesem Zusammenhang weiter für Holzausführungen gelockert werden.
Regionalität und Erlebniswerte
Frau Prof. Dr. Monika Bachinger machte deutlich, dass man mit Regionalität und emotionalen Erlebniswerten beim KundenIn punkten kann. Hier ergeben sich noch gute Chancen in der Vermarktung des Weißtannenholzes. Vom besonderen Holzerlebnis in Kombination mit der ausgezeichneten Wohnbiologie profitiert die Weißtanne auch in Vorarlberg seit einigen Jahren. Viele Auszeichnungen im Vorarlberger Holzbaupreis, bei denen Weißtannenholz im Innenausbau, bei Fenstern oder in der Schalung eingesetzt wurden, bestätigen dies eindrücklich.
Nur Spitzenqualitäten?
Die guten Qualitäten haben heute bereits eine sehr gute Nachfrage. Wir können die Weißtanne mit Stolz zu den schönsten Hölzern der Welt zählen, meine Prof. Andreas Betz von der Hochschule Rosenheim anlässlich der Verleihung des ersten internationalen Weißtannenpreises im Jahr 2013. Damit ergibt sich beim Preis noch viel Luft nach oben.
Von der gestiegenen Nachfrage nach den Spitzenqualitäten profitieren aber auch die astärmeren und etwas schlechteren Holzqualitäten stark. Das Image der Holzart ist heute richtig gut. Ein neues interessantes Produkt wird von der Zimmerei Berchtold in Schwarzenberg im Bregenzerwald mit dem „Wert- Vollholz-Haus“ angeboten. Hier wird Weißtannenholz aus der Region mit der traditionellen „Strickholzbautechnik“ mit 30x30 cm Balkenverarbeitet. Dabei werden im Innenbereich die normalen Bauholzqualitäten mit Ästen und Rissen gezielt sichtbar gezeigt. Es ergibt sich eine leicht rustikale aber sehr moderne Raumoptik. Gesundes Wohnen wird hier mit alter Tradition neu interpretiert.  Bei solchen Projekten können normale Bauholzqualitäten verbaut werden. Hier gibt es in der Weißtannenvermarktung noch ein hohes Kaufpotential bei den Kunden.
Forum 4 Länder
Mit der länderübergreifenden Zusammenarbeit wird jetzt ein neuer Schwerpunkt im Forum Weißtanne gesetzt. Neben dem Schwarzwald ist auch neu Frankreich, die Schweiz und mit Vorarlberg auch Österreich dabei. Mit der Zusammenarbeit können die vorhandenen Marktpotentiale für die Weißtanne weiter ausgebaut werden.

Bild Titel Magazin: Faszination Weißtannenholz: Das Forum Weißtanne aus dem Schwarzwald hat zum 20 jährigen Bestehen ein 160 seitiges Magazin herausgegeben. Einzelne Exemplare können im Forstreferat der Landwirtschaftskammer abgeholt oder bestellt werden (thomas.oelz@lk-vbg.at, 05574/400-410).

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Staatspreis: „Weniger ist mehr“

Mit dem eigentlich widersprüchlichen Ausspruch „Weniger ist mehr“ werden in Hittisau Jagdmodelle verwirklicht, die den Lebensraum in den Mittelpunkt stellen. Ein weniger an Jagdpachteinnahmen kann ein Vielfaches an wichtiger Mischwaldverjüngung bringen. Für sein hohes Engagement wurde am österreichischen Waldbauerntag Ende September in Tirol von Bundesminister Andrä Rupprechter der Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft an Georg Nenning aus Hittisau verliehen. Wir gratulieren unserem Vorstandsmitglied sehr herzlich zu dieser Auszeichnung!
Leider führten die überhöhten Schalenwildbestände in den Waldungen von Georg Nenning zu einem Ausfall der für die Plenterwaldstrukturen wichtigen Weißtanne. Auch fiel in den steileren Waldgebieten die wichtige Ahornverjüngung aus. Der Ahorn verbessert bei Steinschlag die Stabilität der Waldbestände mit seinem guten Wundausheilungsvermögen. Außerdem wurde der Lebensraum für das Wild selber verschlechtert. Die jahrelangen Versprechen über eine Verbesserung der Jagdsituation wollte Georg Nenning nicht mehr akzeptieren.
Schlüsselfaktor für klimafite Wälder
Die Erreichung von lebensraumangepassten Wildtierbeständen ist ein Schlüsselfaktor für eine aktive naturnahe Waldbewirtschaftung, die wiederum eine wichtige Basis für klimafite Wälder ist. Georg Nenning hat hier als Jagdausschussmitglied und jetzt als Obmann der Jagdgenossenschaft Hittisau I sehr viel Engagement und Umsetzungswillen eingebracht. Heute funktioniert eine vorbildhafte Jagd-Selbstbewirtschaftung für eine gute Mischwaldverjüngung und einen ausgezeichneten Lebensraum für das Wildes.
Ausgeprägtes Wald und Holzengagement
Das Wald und Holzengagement ist bei Georg Nenning grundsätzlich sehr ausgeprägt. So war er auch Gründungsmitglied und Heizwart in Heizwerkgenossenschaft Hittisau. Er engagiert sich sehr als Vorstandsmitglied im Vorarlberger Waldverein und ist auch Obmann einer Forststraßengenossenschaft. Außerdem zeigt er seine Einstellung nach der Übergabe des Hofes im neuen Ausgedinge einer Niedrigenergiewohneinheit mit naturbelassenem Weißtannenholz und Holzherdofen mit Solarunterstützung. Wir gratulieren sehr zur Staatspreisverleihung

Bild: Hohe Auszeichnung für unser Vorstandsmitglied Georg Nenning aus Hittisau für sein Engagement für lebensraumangepassten Wildtierbeständen als Schlüsselfaktor für klimafite Wälder. Im Bild mit seiner Frau bei der Verleihung in Kitzbühel in Tirol.

 

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Wald- und Holzinfo, Edles und Forstaction!

Natürlich Wald und Holz, Freitag 06. Oktober, 14:00 bis 18:00, Dornbirner Marktplatz; Dornbirner Herbst

- Motorsäge in Aktion
- Holzspaltwettbewerb fürs Publikum
- Vorführungen zur Schnittschutzhose
- Holzdekoration – Rodel – Edles aus Holz
- Whisky und Edelbrände mit Quiz „Was riecht denn da?“
- Kinderbasteln mit Waldfrüchten
- Musik „Thymos Combo“, Hirschwürste und andere Wildspezialitäten, Kaffee und Kuchen von werden von den „Talente –Vorarlberg“ serviert.

Viel los am Marktplatz im Rahmen des Dornbirner Herbstes: Am Nachmittag von 14:00 bis 18:00 wird unter dem Motto „Natürlich Wald- und Holz“ auf die hohe Bedeutung des Waldes in Vorarlberg hingewiesen. Die Mitarbeiter vom Fachbereich Forst der Landwirtschaftskammer Vorarlberg informieren zusammen mit Josef Böhler von Forsttechnik Böhler aus Schwarzach über alle möglichen Fragestellungen.
Wir Vorarlberger Waldbesitzer sind sehr stolz auf unsere naturnahe und traditionelle Waldbewirtschaftung. Von der guten „Holz-Wohnbiologie“ können wir alle beim Schlafen, Wohnen und Arbeiten profitieren.

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Bundesamt für Wald: Wege zum klimafitten Wald

Der prognostizierte und teils schon spürbare Klimawandel birgt für die Forstwirtschaft neue Herausforderungen und Aufgabenstellungen. Die Atmosphäre kann durch die Erwärmung mehr Energie und Wasserdampf aufnehmen was zur Folge hat, dass das Wettergeschehen dynamischer wird. Erwartet werden dadurch vermehrt Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Starkniederschläge und Stürme.
Für den Wald bringt der Klimawandel positive und negative Aspekte mit sich. Einerseits ergeben sich durch steigende Temperaturen höhere Zuwächse in Wäldern, in welchen die Temperatur bis zum jetzigen Zeitpunkt der begrenzende Faktor war. An diesen Standorten ist es auch notwendig, dass genügend Nährstoffe und verfügbares Wasser im Boden vorhanden sind. Andererseits kommt es bei höheren Temperaturen zu steigender Evapotranspiration und zusätzlich zu diesem Vorkommnis zu einer Konzentration von Starkniederschlagsereignissen, was zu einer Erhöhung von Trockenstress in Wäldern führt.
Durch die oben genannte Extremwetterereignisse ergeben sich noch weitere Gefahren für den Wald, welche nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Es kann zu vermehrten Murenabgängen, Rutschungen und zu einer Zunahme von Nassschneelawinen kommen. Außerdem verändert sich die Populationsdynamik diverser Forstschädlingen.
Aufgrund der steigenden Temperaturen erfolgt die Entwicklung mancher Schädlinge schneller als bisher und es wird möglich mehrere Generationen pro Jahr auszubilden, wodurch auch der Befallsdruck im Wald steigt. Zudem können invasive Schadorganismen, die durch den globalen Handel nach Österreich eingeschleppt werden, besser Fuß fassen und aktiv neue Gebiete besiedeln.

Auf diees Extremwetterereignisse reagiert das Ökosystem Wald mit sinkender Vitalität, reduzierter Abwehrfähigkeit, Massenvermehrung von Schädlingen und geringen Zuwächsen.
Aufgrund dessen wird es immer wichtiger waldbauliche Bewirtschaftungskonzepte, den neuen ökologischen Rahmenbedingungen anzupassen. Es sollte daher die Balance zwischen ökologischer Notwendigkeit und ökonomischer Machbarkeit gefunden werden. Weiters ist zu bedenken, dass es in Zukunft nicht mehr um die Vermeidung von Produktionsrisiko geht sondern vielmehr um die Möglichenkeiten der Risikoverteilung.
Folgende Punkte sind für einen risikosicherer Waldbau von großer Bedeutung:

1. Schutz des Waldbodens
Das eigentliche Kapital des Waldbesitzers ist der Boden. Um diesen nicht zu gefährden, sollten folgende Ausführungen beachtet werden.
• Bodenbeschädigung durch Ganzbaumentnahme: Das entnehmen von ganzen Bäumen aus dem Wald verursacht Nährstoffverluste, da hierbei auch der gesamte Schlagabraum aus dem Bestand transportiert wird.
• Bodenverdichtung durch flächiges Befahren: Das Befahren mit schwerem Gerät erzeugt Verdichtungen, welche die Leistungsfähigkeit, die Trockenresistenz (weniger Porenvolumen) und die Durchwurzelungstiefe verringert.
• Größere Kahlschläge im Gebirge: Dies führt zu hohen Verlusten an Humus durch Erosion. Zudem kann es zu Überhitzungen auf Südhängen kommen.

2. Rechtzeitige Durchforstung
Die Durchforstung wird vielerorts immer noch zu spät durchgeführt.
• Sie sollte gänzlich im zweiten Viertel der Umtriebszeit vorgenommen werden.
• Bestände, die zu spät durchforstet werden, haben einen zu hohen H/D-Wert. Das bedeutet, dass solche Bestände über längere Zeit instabil sind und die Umtriebszeit nicht mehr verkürzt werden kann.

3. Richtige Herkunftswahl
Neben der Wahl der richtigen Baumart schenken viele Forstbetriebe der Herkunftswahl der Pflanzen zu wenig Bedeutung. Durch die richtige Herkunftswahl können so manche, durch den Klimawandel verursachten Beeinträchtigungen der Vitalität von Bäumen, kompensiert werden.

4. Mischwald
Nur durch die Etablierung von Mischwald kann dieser unsicheren Zukunft mit vertretbarem Risiko entgegengegangen werden. Der Gedanke des Mischwaldes wurde zwar schon 1886 von Karl Gayer niedergeschrieben, doch ist er bis heute noch nicht überall angekommen.

5. Angepasste Wildstände
Soll ein Mischwald hervorgebracht werden, ist es unerlässlich die heute künstlich hoch gehaltene Wilddichte zu reduzieren, um überdurchschnittlichen Verbiss zu vermeiden.

6. Schadvermeidung bei Holzernte
Bei der Holzernte sollte der Schadensvermeidung in Zukunft besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Da jede Schädigung eines Baumes eine Eintrittspforte für Krankheiten darstellt – dies gilt besonders für Bestände, die in ihrer Vitalität geschwächt sind.

7. Wesentliche Ziele der Bestandespflege einhalten
Schon während der Bestandespflege sollte eine hohe Einzelstammstabilität beachtet werden. Zudem sollten Mischbaumarten gefördert werden. Vor allem in der Jugend sind starke Durchforstungseingriffe notwendig, um die Vitalität zu erhöhen. Hierdurch werden auch die Produktions- bzw. Gefährdungszeiträume verkürzt. Ferner ist anzumerken, dass durch starke Eingriffe, der Konkurrenzdruck verringert wird. Dies ist prioritär an Standorten mit hoher Trockenstresswahrscheinlichkeit notwendig, da die verfügbaren Wasserressourcen dadurch effizienter genutzt werden können.

Es stellt sich nicht mehr die Frage ob der Klimawandel die Umweltbedingungen verändern und auch nicht wie sich der Klimawandel in seiner Intensität darstellt wird sondern vielmehr wie wir mit den neuen Herausforderungen umgehen werden. Die Produktionsprozesse in der Forstwirtschaft sind zu einem hohen Maß von standörtlichen und klimatischen Bedingungen beeinflusst, welche sich durch den Klimawandel wesentlich schneller ändern als bisher. Hier hinzu kommt, dass die Generationenabfolge im Wald langsam vor sich geht, was eine schnelle Anpassung des Bestandes an neue Bedingungen fast unmöglich macht.
Eine relativ krisensichere Strategie wird in der Risikostreuung gesehen. Dies bedeutet, die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten verschiedenster Produkte aus dem Wald zu sehen, diese zu fördern und zu nutzen. Die Fähigkeit den Wald als einen Standort der Vielfalt zu sehen und ihn nach diesem Grundsatz zu bewirtschaften, bilden die Grundlage für ein flexibles und rasches Handeln und folglich für eine zukunftsfähige und erfolgreiche Forstwirtschaft.

 

Zusammenstellung von Sarah Paterno aus BFW-Praxisinformation 44: Wege zum klimafitten Wald, Bundesforschungszentrum für Wald, Seckendorff-Gudent-Weg 8, 1131 Wien, Österreich

Link Download Heft: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10296


Bild: Nur durch die Etablierung von Mischwald kann dieser unsicheren Zukunft mit vertretbarem Risiko entgegengegangen werden.

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