September 2017

Rotwildmanagement in der Praxis

Mit einer räumlichen Zonenplanung, mit einer abgestimmten Populationsdichte und -struktur, mit einer fachgerechten Fütterung und mit der Anwendung von effizienten Jagdmethoden wird in Nenzing ein professionelles Rotwildmanagement durchgeführt. Auf einem Weiterbildungsseminar des Ländlichen Fortbildungsinstituts Mitte September wurden den interessierten Teilnehmern die Eckpunkte vorgestellt.
Zielsetzungen vermitteln
DI Siegbert Terzer, Betriebsleiter der Agrargemeinschaft Nenzing, erläuterte die Wichtigkeit der Aufstellung von klaren Zielsetzungen des Grundeigentümers in Richtung der Jagdbewirtschaftung. Diese müssen dann klar im Jagdpachtvertrag dem Jagdpächter vermittelt werden. Dieser muss wissen, welche Ziele er erfüllen muss. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die räumliche Zonenplanung in der Wildbewirtschaftung. In den vorgelagerten Wäldern, die sehr steil in Richtung Walgau abfallen, stehen klar die Waldschutzfunktionen im Vordergrund. Hier wird kein Lebensraum für das Rotwild gesehen. Es werden auch alle anderen Schalenwildarten schwerpunktmäßig bejagt. Die dahinterliegenden Gebiete Richtung Gamperdonatal werden dagegen als Lebensräume für das Rotwild gesehen. Aber auch hier soll es keine Aufhege oder überhöhte Wilddichte geben. Allerdings lässt sich ein gewisser Wildschaden in Rotwildfütterungseinstandsgebieten nicht vermeiden.
Mit niedrigeren Wilddichten mehr Erntehirsche
Jagdschutzorgan Peter Trabernig erläuterte beim seit 1997 betrieben Rotwildwintergatter am Nenzinger Berg die Bewirtschaftungsziele in der Praxis. Bei angepassten nicht zu hohen Wilddichten gibt es beim Rotwildnachwuchs einen höheren Anteil an männlichem Wild. Mit dieser wildbiologischen Erkenntnis wurde und wird verstärkt beim weiblichen Wild eingegriffen. Konnte früher nur ein Erntehirsch im Jahr geschossen werden, sind es heute bei einem deutlich niedrigeren Wildbestand zwei Erntehirsche. Sehr transparent wird die Wildbestandserhebung mittels Futtermittelerfassung überprüft. An mehreren Kontrolltagen im Hochwinter wird der Futtermittelbedarf pro Tag genau erhoben und dann mittels durchschnittlichem Futtermittelverbrauch auf die Stückzahl umgerechnet (Grundlage Zahlen aus der Masterarbeit von Harald Bretis). Nachdem sich die männlichen Stücke sehr genau aus den Abwurfstangen ergeben, ergibt sich bei den weiblichen Stücken oft eine nicht vermutete hohe Dunkelziffer. Als sehr wichtig sieht Peter Trabernig auch die konsequente Außensteherbejagung an. Um eine günstige Populationsstruktur zu erreichen, sind auch „Entnahmen“ im Wintergatter, die sehr sensibel durchgeführt werden müssen, kein Tabuthema in Nenzing. In der Diskussion kam zum Ausdruck, dass die Arbeit des Kahlwildabschusses und das Streben nach Trophäenabschuss bei männlichem Wild unter den Revieren ein hohes Konfliktpotential haben.
Effiziente Eingriffe bringen nur kurze Störungen
Jagdschutzorgan Manuel Nardin erläuterte an einer normalen Winterfütterung ohne Gatter in der Gamperdona die Bewirtschaftungsweise des Rotwildes. Sehr sensibel ist die Bejagung an beliebten Austretungsorten des Wildes. Hier ergeben sich nur wenige Möglichkeiten. Um die angestrebten Populationsstrukturen zu erreichen (nebenbei werden dadurch auch die Abschusspläne erfüllt), wurden auch gezielte und sehr effiziente Eingriffe in den Wintereinstandsgebieten durchgeführt. Damit gibt es zwar intensive aber nur ganz kurze Störungen und das Ziel von beobachtbarem und tagaktivem Wild kann mit dieser Maßnahme sehr gut verfolgt werden.

Bild: Interessantes LFI Seminar in Nenzing: Es wurden die Eckpunkte eines professionellen Rotwildmanagements vorgestellt.

 

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Hochwasserrisiko und überhöhte Wildbestände!

Die Wälder bietet nicht nur direkte Schutzleistungen, sondern leisten auch in abgelegenen Gebieten sehr wichtige Beiträge für den Hochwasserschutz. Dazu braucht es standortsangepasste Mischwaldstrukturen. Zu einer Waldbegehung in dieser Thematik lud die Ortgruppe Hinterer Bregenzerwald des Vorarlberger Waldvereins Anfang September ins Mellental.
Anhand von Bodenprofilen vor Ort wurde die Wichtigkeit der tiefwurzelnden Weißtanne erklärt. Im Gegensatz zur Fichte kann die Weißtanne wesentlich tiefere Bodenschichten in zwei bis drei Meter tiefe aufschließen. Der Bodenkundler Walter Fitz erklärte dabei die besondere Bedeutung der Wurzeln. An den geschaffenen Kanälen kann das Wasser vom Boden aufgenommen werden. Ein Teil der der Wurzeln wird jedes Jahr erneuert. Bei den abgestorbenen Wurzeln wird das Aufnahmevermögen weiter gesteigert. Bezirksforsttechniker Peter Feuersinger erläuterte die hohe Bedeutung einer guten Durchwurzelung des Bodens anhand von aktuellen Studienergebnissen aus der Schweiz: „Danach erhöht sich die Wasserspeicherkapazität eines Bodens um beachtliche 80%, wenn die Durchwurzelung verdoppelt wird“. Damit erklärt sich die hohe Bedeutung auch von abgelegenen Wäldern für das Hochwasseraufkommen an Bächen und Flüssen weiter unten. Und hier spielen die Mischwaldbaumarten wie die Weißtanne, aber auch der Bergahorn oder die Ebersche eine entscheidend wichtige Rolle.
Misstrauen: Zweiter Wintergatter bringt keine Wildreduktion
Der derzeit und seit vielen Jahren vorhandene Wildbestand verhindert aber eine entsprechende Naturverjüngung. Nur Fichten und Buchen können im Mellental aufkommen. Auf diese Misere wies Peter Bischof als Sprecher der Ortsgruppe Hinterer Bregenzerwald bereits bei der Begrüßung hin. Auf die Mischwaldverjüngung können wir nicht verzichten und aufgrund des im Gang befindlichen Klimawandels, bei dem wir mit Starkregenereignissen aber auch Trockenperioden vermehrt rechnen müssen, wird ein vitaler Mischwald noch dringlicher. Mit den Bestrebungen, einen zweiten Rotwildwintergatter im Mellental zu errichten, wird befürchtet, dass es zu keiner Wildreduktion, sondern eher zu einer weiteren Wildvermehrung kommt. Das ist nach Peter Bischof aus Sicht des Gemeinwohls völlig untragbar. Eine Verbesserung des Waldzustandes muss den Vorrang bekommen. Nur ein vitaler Wald kann alle seine Schutzfunktionen erbringen.
Bei einer Einzäunung eines Waldstückes bei Altwaldaufseher Georg Dietrich wurde dann das hohe Verjüngungspotenzial der Wälder im Mellental besichtigt. Alle standortsgemäßen Mischbaumarten stellen sich ein. Schlussendlich würden angepasste Wildbestände auch die viel besseren Wildtierlebensräume bieten. Auch die wildökologische unnötige Rehwildfütterung spielt hier eine negative Rolle.
Mischwald mit Weißtanne
Agrarobmann der Alpe Bleichten Albert Kaufmann bemängelte bei der Besichtigung von Durchforstungsflächen sehr, dass in der Vergangenheit in der Verjüngung nur Fichten aufgekommen sind und die Mischgehölze mehr oder weniger zu 100 Prozent verbissen wurden. Die Alpe Bleichten bewirtschaftet ihren Wald aktiv und versucht jedes Jahr etwa den Zuwachs zu entnehmen. Für nachhaltige und enkeltaugliche Wälder, aber auch um eine TBC Gefährdung hinten an zu halten, brauchen wir eine Umstellung in der Jagdbewirtschaftung, die an überhöhten Wildbeständen festhalten möchte. Eine Mischwaldbewirtschaftung mit der standortsgemäßen Weißtanne muss wieder möglich werden.

Bild: Eindeutiges Waldbild in einer Zaunfläche: Der Waldzustand muss im Mellental den Vorrang bekommen. Wenn wir klimafite Wälder wollen, erhöht sich diese Dringlichkeit zunehmend.

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