Es funktioniert: Schutzwald, Wild und Jagd!

Vor 25 Jahren wurde im Bergdorf Ebnit über Dornbirn die Wichtigkeit der Schutzwirkung des Waldes nach einer Windwurfkatastrophe offensichtlich. Es wurde reagiert, geplant, koordiniert und konsequent umgesetzt. Heute zeigen sich schöne und verdiente Erfolge.
Waldaufseher Hannes Klocker erinnert sich anlässlich einer Exkursion zu seiner Pensionierung Ende April an die damalige schwierige Zeit. Im Bergdorf Ebnit sind durch die Windwürfe und anschließenden Käferkalamitäten Anfang der 90´er Jahre im Schutzwaldgürtel oberhalb des Dorfes die Schutzwaldwirkung Großteils ausgefallen. Es war schnell klar, dass konsequent und „scharf“ gehandelt werden muss, um eine stabile Waldentwicklung zu erreichen.


„Harte“ Widerständen mit Problembewusstsein überwinden
Die Waldverjüngung im Schutzwald ist sozusagen bereits von „Natur“ aus an außerordentliche Faktoren gebunden: steile und extreme Standorte, besondere Witterungseinflüsse (Wind, Schnee, Wasser, kürzere Vegetationszeiten) und geringere Reproduktionsraten bei den Baumarten. Deshalb wird ein tragbarer Wildverbiss in der Waldverjüngung in diesen Schutzwaldlagen so wichtig. Gerade der dadurch verursachte Ausfall der Mischbaumarten (wie beispielweiser der Weißtanne), die für den zukünftigen stabilen Waldaufbau zentral wichtig sind, aber auch das Verlängern des ohnehin schon langen Verjüngungszeitraumes können nicht toleriert werden. Mit der neuen konsequenten Ausrichtung gab es für den aktiven und problembewussten Jagdausschuss, bei der Exkursion durch den langjährigen Obmann Wolfgang Peter und den heutigen Norbert Peter vertreten, auch „harte“ Widerstände zu überwinden. Für den heutigen Erfolg sehr entscheidend war hier rückblickend die sehr konstruktive und gute Zusammenarbeit zwischen den Grundbesitzervertretern, der Forst- und Jagdbehörde, der Wildbach- und Lawinenverbauung und der offiziellen Jägerschaft mit Bezirksjägermeister Ewald Baurenhaas. Ein „Umdenken“ und Problembewusstsein für die notwendigen Maßnahmen, dass es einfach nicht anders geht, wurde durch laufend durchgeführte Begehungen und Informationsveranstaltungen erreicht. Zuerst wurde mit einer Selbstverwaltung der Jagd, danach wieder mit einer normalen Verpachtung an waldorientierte Jäger gearbeitet.


Informations-, Koordinations- und Kontrollaufgaben
Beim Waldaufseher laufen viele Informationen zusammen. Er kontrolliert die Waldentwicklung und koordiniert die verschiedensten Maßnahmen in Forst und Jagd. Wenn Dinge nicht oder nicht richtig umgesetzt werden, muss dies auch Konsequenzen haben. Bei den laufenden Informationen bei Begehungen aber auch bei Anfragen von Waldbesitzern oder Jagdausübenden spielt er eine wichtige Rolle. Nach Jahren mit positiven Entwicklungen, kommen wieder Jahre in denen es nicht so gut läuft. Hier braucht es entsprechende Reaktionen. Eine laufende Herausforderung! Waldaufseher Hannes Klocker zeigte hier weit über seine dienstliche Pflichten hinaus ein ausgesprochen hohes Engagement. Auch die Jagdbehörde agierte in Dornbirn erfreulich flexibel unbürokratisch.

Motivation und Freude an „Urreizen“ der Jagd
Solche Anforderungen führen natürlich zu einigen Zeitaufwendungen und Anstrengungen in der Jagdbewirtschaftung und werfen die Frage auf, ob eine solche Jagd überhaupt noch Freude machen kann. Gerade dadurch, dass die Bejagung nicht ganz einfach ist, werden die „Urreize“ des Jagens angesprochen. „Natürlich ist eine solche Jagd mit einem hohen Aufwand und Herausforderungen verbunden, aber schlussendlich macht es schon Freude, sonst würden wir es nicht machen“, ist die Antwort der heutigen Jäger. Es können schöne Erfolge vorgezeigt werden. Die Weißtanne verjüngt sich wieder sehr gut. Das ist in einem Gebiet in dem alle drei Schalenwildarten vorkommen überhaupt nicht selbstverständlich. Die Erfolge bringen wieder viel Motivation den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Langfristiges Ziel stabiler Schutzwald
Es waren natürlich auch technische Unterstützungen, wie Lawinenwerke, Gleitschneeböcke , Drainagen oder Steinschlagschutznetze notwendig. Auch die Erschließung mit Forstwegen für gezielte kleinflächige Verjüngungshiebe und auch Aufforstungsmaßnahmen mit einigen tausend Pflanzen wurden durchgeführt. Für den langfristigen Schutz vor den Naturgefahren braucht es in allen Gebirgslagen bei uns eine gesunde und stabile Waldentwicklung. Die größte Herausforderung stellt jetzt die Beibehaltung der positiven Rahmenbedingungen dar. Hier wurde die aktive Rolle der Stadt Dornbirn sehr lobenswert hervorgehoben und für die Zukunft als wichtige Verpflichtung gesehen.

Erfolgsfaktoren
_ Engagierte Grundbesitzer formulieren klare Zielsetzungen und fordern laufend die Umsetzung (biotopangepasste Schalenwildbestände)
_ Jäger mit positiver Waldeinstellung und Freude an der Jagd
_ aktive Rolle der Gemeinde und politischer Rückhalt von Landesseite
_ Aktive Information mit Begehungen und Informationsveranstaltung für ein breites Problembewusstsein bei Jägern, Waldbesitzer und der Bevölkerung
_ Koordination und Kontrollfunktion durch den Landeswaldaufseher (mit gesamter Forstbehörde)
_ Wildbach- und Lawinenverbauung als unabhängige Bundesbehörde
_ Gegenseitige Motivation mit erreichten Erfolgen für Waldaufseher, Jägerschaft und Jagdgenossenschaft


Bildtext: Erfolgreiche Schutzwaldverjüngung mit Weißtanne oberhalb des Bergdorfes Ebnit. In einer engen Zusammenarbeit von Grundbesitzer, Forst- und Jagdbehörde, Wildbach- und Lawinenverbauung und Bezirksjägermeister wurde die Basis für eine gesunde Waldentwicklung gelegt (im Bild rechts außen Waldaufseher Hannes Klocker mit einigen Wegbegleitern und Ausschussmitglieder des Dornbirner Waldvereins).

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