Aufgehegte Wildtierbestände sind Tierschutz-Problem!

Der Vorarlberger Waldverein nimmt zur aktuellen Diskussion bei den Themen Wildlebensraum, Fütterung, Tierschutz und Waldzustand öffentlich Stellung:

Der Vorarlberger Waldvrein tritt seit Jahrzehnten für den Schutz und Erhalt eines natürlichen und biotopangepassten Schalenwildbestandes ein. Das kommt dem Wald und auch dem Wildtier selbst zu Gute.

Der Vorarlberger Waldverein erachtet es als äußerst unpassend und falsch, wenn seitens der Vorarlberger Jägerschaft Grundbesitzer und Behörden dafür verantwortlich gemacht werden, dass jagdbare Wildtiere verhungern und dann jagdgesetzliche Inhalte in Frage gestellt werden. Völlig aus der Luft gegriffen, sind die Vorwürfe der Jägerschaft, die Ausbreitung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung würde das Wild in seinem natürlichen Lebensraum verdrängen und ihm die Existenzgrundlage entziehen. Dies findet nachweislich nicht statt und ist entschieden zurückzuweisen. Das Gegenteil ist oft der Fall: Forstliche Nutzungen oder auch die Alpwirtschaft insgesamt verbessern die Lebensraum- und Äsungsqualität von Wildtieren maßgeblich.

Tierschutzproblem durch viel zu hohe aufgehegte Wildtierbestände
Es wäre Zeit zur Selbstreflektion! Anstatt Grundbesitzer, Forstwirtschaft, Behörden, Freizeitnutzer etc. permanent für die aktuelle Situation zu beschuldigen sollte vor der eigenen Haustüre gekehrt werden. Für die über Jahrzehnte betriebene jagdwirtschaftliche Misswirtschaft (mit der Aufhege) ist vor allem die Jägerschaft selbst verantwortlich!

War der Rehwildabschuss in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts noch bei etwa 1.000 Stück liegt er heute bei etwa 5.000 Stück. Bei Rotwild wurden im gleichen Zeitraum der laufende Abschuss von etwa 500 auf über 3.000 Stück gesteigert. Die Bestandesdichten haben sich mit der sogenannten „Hege“ und der der damals begonnenen Fütterung vervielfacht! Dieser Missstand hat nichts mit einem kleiner werdenden Lebensraum zu tun. Das kommt noch dazu und verschärft die Situation, die durch die Jägerschaft selbst verursacht wurde. Auswirkungen dieser massiv überhöhten Wildtierbeständen sind die flächigen waldgefährdenden Wildschäden mit einem Ausfall der Mischbaumarten wie beispielweise der bei uns sehr wichtigen Stabilitätsbaumart Weißtanne, aber auch Seuchenkrankheiten wie die TBC beim Rotwild im Klostertal und Silbertal.

Forderung des Waldvereins:
Wir brauchen endlich tatsächlich biotopangepasste Wildtierbestände! Dann machen auch lebensraumverbessernde und -schützende Maßnahmen für Wildtiere Sinn, für die sich der Waldverein ebenfalls sehr einsetzt. Wir brauchen eine Ökologisierung der Jagdwirtschaft auf Basis wildbiologischer Erkenntnisse. Falsche und kontraproduktive Fütterung bzw. Bejagung muss der Vergangenheit angehören. Beispielsweise ist eine intensive Fütterung von Rehwild mit Kraftfutter – und das wird an vielen Orten im Lande gemacht – weder wildtiergerecht noch zur Vermeidung von Wildschäden notwendig.

Gesprächs- und kompromissbereit mit angepassten Wildbeständen
Der Vorarlberger Waldverein ist grundsätzlich in vielen Bereichen gesprächs- und kompromissbereit (Beispielweise Lenkungs- bzw. Notfütterung in besonders strengen Wintern in Problemgebieten). Aber erst, wenn die seit mehr als 3 Jahrzehnten geforderten biotopangepassten Wildstände erreicht sind, kann über mögliche Gesetzesänderungen im Jagdgesetz diskutiert werden!

Vorarlberger Waldverein, 22. März 2018


Auskünfte zum Thema
Obmann Mag. Walter Amann
Tel 0664 3008504, walter.amann@vol.at

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