Hochwasserrisiko und überhöhte Wildbestände!

Die Wälder bietet nicht nur direkte Schutzleistungen, sondern leisten auch in abgelegenen Gebieten sehr wichtige Beiträge für den Hochwasserschutz. Dazu braucht es standortsangepasste Mischwaldstrukturen. Zu einer Waldbegehung in dieser Thematik lud die Ortgruppe Hinterer Bregenzerwald des Vorarlberger Waldvereins Anfang September ins Mellental.
Anhand von Bodenprofilen vor Ort wurde die Wichtigkeit der tiefwurzelnden Weißtanne erklärt. Im Gegensatz zur Fichte kann die Weißtanne wesentlich tiefere Bodenschichten in zwei bis drei Meter tiefe aufschließen. Der Bodenkundler Walter Fitz erklärte dabei die besondere Bedeutung der Wurzeln. An den geschaffenen Kanälen kann das Wasser vom Boden aufgenommen werden. Ein Teil der der Wurzeln wird jedes Jahr erneuert. Bei den abgestorbenen Wurzeln wird das Aufnahmevermögen weiter gesteigert. Bezirksforsttechniker Peter Feuersinger erläuterte die hohe Bedeutung einer guten Durchwurzelung des Bodens anhand von aktuellen Studienergebnissen aus der Schweiz: „Danach erhöht sich die Wasserspeicherkapazität eines Bodens um beachtliche 80%, wenn die Durchwurzelung verdoppelt wird“. Damit erklärt sich die hohe Bedeutung auch von abgelegenen Wäldern für das Hochwasseraufkommen an Bächen und Flüssen weiter unten. Und hier spielen die Mischwaldbaumarten wie die Weißtanne, aber auch der Bergahorn oder die Ebersche eine entscheidend wichtige Rolle.
Misstrauen: Zweiter Wintergatter bringt keine Wildreduktion
Der derzeit und seit vielen Jahren vorhandene Wildbestand verhindert aber eine entsprechende Naturverjüngung. Nur Fichten und Buchen können im Mellental aufkommen. Auf diese Misere wies Peter Bischof als Sprecher der Ortsgruppe Hinterer Bregenzerwald bereits bei der Begrüßung hin. Auf die Mischwaldverjüngung können wir nicht verzichten und aufgrund des im Gang befindlichen Klimawandels, bei dem wir mit Starkregenereignissen aber auch Trockenperioden vermehrt rechnen müssen, wird ein vitaler Mischwald noch dringlicher. Mit den Bestrebungen, einen zweiten Rotwildwintergatter im Mellental zu errichten, wird befürchtet, dass es zu keiner Wildreduktion, sondern eher zu einer weiteren Wildvermehrung kommt. Das ist nach Peter Bischof aus Sicht des Gemeinwohls völlig untragbar. Eine Verbesserung des Waldzustandes muss den Vorrang bekommen. Nur ein vitaler Wald kann alle seine Schutzfunktionen erbringen.
Bei einer Einzäunung eines Waldstückes bei Altwaldaufseher Georg Dietrich wurde dann das hohe Verjüngungspotenzial der Wälder im Mellental besichtigt. Alle standortsgemäßen Mischbaumarten stellen sich ein. Schlussendlich würden angepasste Wildbestände auch die viel besseren Wildtierlebensräume bieten. Auch die wildökologische unnötige Rehwildfütterung spielt hier eine negative Rolle.
Mischwald mit Weißtanne
Agrarobmann der Alpe Bleichten Albert Kaufmann bemängelte bei der Besichtigung von Durchforstungsflächen sehr, dass in der Vergangenheit in der Verjüngung nur Fichten aufgekommen sind und die Mischgehölze mehr oder weniger zu 100 Prozent verbissen wurden. Die Alpe Bleichten bewirtschaftet ihren Wald aktiv und versucht jedes Jahr etwa den Zuwachs zu entnehmen. Für nachhaltige und enkeltaugliche Wälder, aber auch um eine TBC Gefährdung hinten an zu halten, brauchen wir eine Umstellung in der Jagdbewirtschaftung, die an überhöhten Wildbeständen festhalten möchte. Eine Mischwaldbewirtschaftung mit der standortsgemäßen Weißtanne muss wieder möglich werden.

Bild: Eindeutiges Waldbild in einer Zaunfläche: Der Waldzustand muss im Mellental den Vorrang bekommen. Wenn wir klimafite Wälder wollen, erhöht sich diese Dringlichkeit zunehmend.

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