Paradies hinter Zaun!

Bild: Paradies hinter Zaun: So kann es nicht weitergehen. Im Waldgebiet Kaniser in Mellau wird ein Neuanfang gestartet.

An einer eingezäunten Fläche im Waldgebiet „Kaniser“ konnte bei einer Waldbegehung der Ortsgruppe Hinterer Bregenzerwald des Vorarlberger Waldvereins Anfang Juli das ausgezeichnete Verjüngungsvermögen mit allen Baumarten im Vergleich zu den sonst im Unterwuchs mehr oder weniger kahlen Flächen im Gebiet begutachtet werden. Dies ist nicht nur für die Verjüngung des Waldes äußerst unbefriedigend, sondern schlussendlich auch für den Lebensraum des Wildes.

„Propaganda“ Verhältnisse als Ziel
Dies führte zur Aussage, dass ein solcher Lebensraum hinter Zaun ein „Paradies“ für das Wild wäre. Der Waldbesitzer, der die Einzäunung machte, wurde, nachdem in den ersten drei Jahren keine zusätzliche Waldverjüngung ankam, ausgelacht. Mit dem Verjüngungsanflug, der sich danach einstellte, wandelte sich das Lachen in Staunen. Von manchen Jägern wurde der Zaun sogar als „Propagandazaun“ des Forstes bezeichnet, der nicht die natürlichen Verhältnisse wiederspiegelt. Aber genau solche „Propaganda“-Verhältnisse sind jetzt das Ziel auf der gesamten Fläche, welche dann auch einen Wildverbiss wesentlich besser vertragen. Ein umfassendes Maßnahmenkonzept soll in dem Gebiet jetzt umgesetzt werden, das eine Basiserschließung, die Aktivierung der Waldbewirtschaftung und die konsequente Umsetzung eines Jagdkonzeptes beinhaltet.

Sicher nicht gegen das Wildtier!
Gleich vorweg wurde von Peter Bischof, Ortsgruppensprecher Hinterer Bregenzerwald des Vorarlberger Waldvereins, betont, dass es keinesfalls gegen das Wildtier geht. Das Wildtier hat ganz klar seine Existenzberechtigung in unseren Wäldern. Aber die jagdliche Aufhege führt nicht nur zu großen Problemen in der Waldverjüngung, sondern schadet schlussendlich dem Wildlebensraum und damit dem Wildtier selber. Und das wird sicherlich auch kein Jäger wollen.
Ist der Wildbestand nicht zu hoch, sinkt der zwischenartliche Stress unter den Tieren, es gibt eine geringere Futterkonkurrenz und mehr Platz. Die Wildtiere sind gesünder.

Weißtanne wichtig!
Die Exkursionsleiter Waldaufseher Markus Dünser und der Obmann der Forststraßengenossenschaft Georg Dietrich erläuterten an verschiedenen Exkursionspunkten die Wichtigkeit der inzwischen fast fertigen Forststraßenerschließung für die Schutzwaldbewirtschaftung. Die Bedeutung der bis jetzt in der Verjüngung fehlenden Weißtanne für Bodenfestigkeit, Wasserrückhaltevermögen und Bestandesstabilität stand dabei immer im Mittelpunkt. In Zeiten mit erhöhter Windwurf- und Borkenkäfergefahr und sich generell änderndem Klima wird die Bedeutung der Weißtanne mit den weiteren Mischbaumarten immer wichtiger.

Wieviel verliere ich durch eine nicht ankommende Naturverjüngung
Nach dem Obmann Georg Dietrich stellt sich nicht die Frage nach der Höhe der Jagdpachteinnahmen, sondern die Frage nach dem möglichen Verlust durch einen erhöhten Wildverbiss. Am Beispiel der besichtigten eingezäunten Fläche mit ca. 300 Quadratmetern verglich er die Jagdpachteinnahmen von etwa 50 Cent pro Jahr (17.-/ha, in 10 Jahren auf den 300 Quadratmetern 5.- Euro) mit den ungleich hohen möglichen Verlusten durch ein ausbleiben der Naturverjüngung. Eine künstliche Aufforstung, die man in der Qualität aber sicher nicht mit einer ankommenden Naturverjüngung vergleichen kann, kostet auf einer 300 Quadratmetern großen Fläche zwischen 150.- und 300.- Euro.

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